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today28.02.2026
Trettmann, bürgerlich Stefan Richter, zählt zu den prägendsten Stimmen des deutschen Hip-Hop der letzten Jahre. Mit seiner einzigartigen Mischung aus Reggae, Dancehall, Trap und Cloud Rap hat der gebürtige Chemnitzer eine ganz eigene musikalische Nische geschaffen. Seine Texte verbinden persönliche Reflexionen mit sozialem Bewusstsein und machen ihn zu einem authentischen Künstler mit unverwechselbarem Stil.
| Künstlername | Trettmann |
| Bürgerlicher Name | Stefan Richter |
| Genre | Hip-Hop, Reggae, Dancehall, Trap, Cloud Rap |
| Größter Hit | Standard |
| Geburtsdatum | 9. Oktober 1973 |
| Geburtsort | Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), DDR |
| Wohnort | Leipzig |
| Staatsangehörigkeit | Deutsch |
| Sternzeichen | Waage |
| Markenzeichen | Auto-Tune, sächsischer Dialekt, persönliche Texte |

Stefan Richter wuchs im Plattenbau-Neubaugebiet Fritz Heckert in Karl-Marx-Stadt auf, wo er zusammen mit seinem älteren Bruder bei seiner Mutter lebte. Sein Vater hatte die Familie bereits vor seiner Geburt verlassen. Die musikalische Prägung erhielt der junge Stefan durch die Plattensammlung seiner Mutter und durch Black Music, die über Westradio in die DDR gelangte. Als Jugendlicher war er aktives Mitglied in Chemnitzer Breakdance-Crews und ließ sich von westlichen Filmen und Fernsehsendungen der 1980er Jahre inspirieren. Neben dem Tanzen und Singen erhielt er auch eine formale musikalische Ausbildung in einem Schulensemble, wo er im Orchester und Chor mitwirkte.
Anfang der 1990er Jahre unternahm Stefan Richter eine Reise, die sein Leben nachhaltig verändern sollte: Er reiste nach Jamaika. Diese Erfahrung weckte seine tiefe Liebe zu Reggae, Dancehall und jamaikanischer Musik, die bis heute seine künstlerische Arbeit prägt. Zurück in Deutschland jobbte er in verschiedenen Bereichen, unter anderem in einem Schallplattenladen, und begann, seine ersten Songs aufzunehmen. Die Verbindung zwischen seinen ostdeutschen Wurzeln und der karibischen Musikkultur sollte später zu seinem unverwechselbaren Sound werden.
Seine ersten Veröffentlichungen erfolgten unter dem Künstlernamen “Ronny Trettmann” beziehungsweise “RT Trettmann”. Im Jahr 2006 erschien seine Debütsingle “Der Sommer ist für alle da!”, die den sächsischen Dialekt mit Reggae- und Dancehall-Elementen verband. Der Name “Trettmann” war angelehnt an “Dreadman” und sollte seine Verbindung zur jamaikanischen Kultur ausdrücken. In dieser frühen Phase wurde er teilweise als Comedy-Künstler wahrgenommen, was seinem eigentlichen künstlerischen Anspruch nicht gerecht wurde.
Um sich vom Comedy-Image zu distanzieren, gründete Stefan Richter 2008 sein eigenes Label “Heckert Empire” – benannt nach seinem Heimatviertel. Er veröffentlichte Mixtapes wie das “Heckert Empire Mixtape” und verschiedene EPs, in denen er sich ernsthafteren Themen widmete. 2010 erschien mit “Zwei chlorbleiche Halunken” sein erstes Studioalbum, das er zusammen mit Ranking Smo aufnahm. 2013 folgte das Soloalbum “Tanz auf dem Vulkan”, das stilistisch zwischen Reggae und Electro angesiedelt war. Für dieses Projekt nutzte er auch Crowdfunding, um Produktion und Promotion zu finanzieren. Trotz dieser Veröffentlichungen blieb der große Durchbruch zunächst aus.
Das Jahr 2016 markierte einen radikalen Wendepunkt in Trettmanns Karriere. Er legte den Vornamen “Ronny” ab und trat fortan nur noch als “Trettmann” auf. Die entscheidende Veränderung war die Zusammenarbeit mit dem Produzententrio KitschKrieg, bestehend aus Fizzle, Ventura und The Cratez. Gemeinsam veröffentlichten sie in rascher Folge drei EPs, die stilistisch eine neue Richtung einschlugen: Cloud Rap, Trap-Beats und der gezielte Einsatz von Auto-Tune prägten nun seinen Sound, ohne dass er seine Reggae- und Dancehall-Wurzeln verleugnete.
Der große Durchbruch gelang 2017 mit dem Soloalbum “#DIY”, das vollständig mit KitschKrieg produziert wurde. Songs wie “Knöcheltief” mit Gzuz, “Grauer Beton” und “GottSeiDank” mit Bonez MC und RAF Camora etablierten Trettmann als eine der wichtigsten Stimmen im deutschen Rap. “Knöcheltief” erhielt Platin-Auszeichnung, “Grauer Beton” wurde mit Gold ausgezeichnet. Das Album machte ihn einem breiten Publikum bekannt und zeigte, dass er weit mehr war als ein regionaler Künstler mit Dialekt – er war ein innovativer Musiker mit eigenem Stil. Seine Texte blieben dabei stets persönlich und reflektiert, thematisierten sein Aufwachsen in der DDR, familiäre Erfahrungen und gesellschaftliche Beobachtungen.
Im Oktober 2018 erschien der Song, der Trettmann endgültig in die erste Liga des deutschen Hip-Hop katapultierte: “Standard” von KitschKrieg featuring Trettmann, Gringo, Ufo361 und Gzuz. Der Track erreichte Platz 1 der deutschen Single-Charts und blieb dort mehrere Wochen. Auch in Österreich war der Song äußerst erfolgreich. “Standard” wurde zu einem der prägendsten deutschen Rap-Songs des Jahres und brachte Trettmann auch bei Hörern Anerkennung, die zuvor wenig mit seiner Musik zu tun hatten. Der Song lief in zahlreichen Webradio-Streams und etablierte sich als Hymne einer ganzen Generation.
2019 folgte das selbstbetitelte Album “Trettmann”, wiederum in Zusammenarbeit mit KitschKrieg. Das Album war kommerziell erfolgreich und festigte seinen Status als einer der wichtigsten deutschsprachigen Künstler. Seine Musik wurde nicht nur im Radio und auf Streaming-Plattformen gespielt, sondern auch auf Festivals und in Clubs gefeiert. Trettmann hatte es geschafft, eine Brücke zwischen Underground und Mainstream zu schlagen, ohne seine künstlerische Integrität zu verlieren. Seine Auszeichnungen sprechen für sich: Bei den Juice Awards 2017 gewann er in den Kategorien “Solokünstler National”, “Mixtape / EP National” und “Album National”. 2018 erhielt er den Hiphop.de Award für “Bester Song National” für “Standard” sowie mehrere Preise für Popkultur.
Im Jahr 2022 musste Trettmann einen Rückschlag hinnehmen: Aus gesundheitlichen Gründen sagte er sämtliche Festivalauftritte ab und verschob geplante Veröffentlichungen. Diese Phase der Auszeit nutzte er jedoch auch zur Reflexion und zur Neuausrichtung seiner Musik. Am 17. März 2023 erschien schließlich sein fünftes Studioalbum “Insomnia”, das als letzte Kooperation mit KitschKrieg angekündigt wurde. Das Album zeigte einen gereiften Künstler, der sich mit Themen wie Schlaflosigkeit, innerer Unruhe und persönlichen Kämpfen auseinandersetzte.
2024 markierte einen weiteren Neuanfang: Mit der EP “Your Love Is King” präsentierte sich Trettmann in einem veränderten musikalischen Gewand. Singles wie “Prototype” und “NAWW” mit der DDR-Jazz-Popikone Uschi Brüning zeigten eine Entwicklung weg von den düsteren, grellen Beats hin zu einer verspielteren und persönlicheren Soundrichtung. Besonders “NAWW” (Nach Allem Was War) ist ein bemerkenswertes Stück, in dem Trettmann seine Erfahrungen in der Chemnitzer Hip-Hop-Szene, sein Aufwachsen in der DDR und persönliche Reflexionen verarbeitet. Die Zusammenarbeit mit Uschi Brüning war sowohl stilistisch als auch historisch bedeutsam und zeigte, dass Trettmann bereit ist, neue Wege zu gehen und seine musikalischen Grenzen zu erweitern.
Trettmann hat in Deutschland rund 1,9 Millionen Tonträger verkauft und gehört damit zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Rappern seiner Generation. Doch seine Bedeutung geht weit über Verkaufszahlen hinaus. Er hat gezeigt, dass es möglich ist, authentisch zu bleiben und gleichzeitig ein breites Publikum zu erreichen. Seine Musik verbindet verschiedene Generationen und Musikstile: von Reggae über Dancehall bis hin zu modernem Trap und Cloud Rap. Der Einsatz von Auto-Tune ist bei ihm kein billiger Effekt, sondern ein bewusstes künstlerisches Stilmittel, das seinen Songs eine besondere Atmosphäre verleiht.
Sein Markenzeichen ist die Verbindung von persönlichen, oft melancholischen Texten mit eingängigen Melodien und innovativen Beats. Trettmann rappt und singt über sein Leben, seine Herkunft und seine Erfahrungen, ohne sich dabei anzubiedern oder zu verbiegen. Die visuelle Ästhetik seiner Veröffentlichungen – von den Schwarz-Weiß-Bildern der frühen Jahre bis zu den farbenfroheren Präsentationen der jüngeren Zeit – unterstreicht seine künstlerische Vision. Heute lebt Trettmann in Leipzig und arbeitet weiterhin an seiner Musik, stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen und Kooperationen. Seine Karriere ist ein Beispiel dafür, wie Durchhaltevermögen, künstlerische Integrität und die Bereitschaft zur Veränderung zum Erfolg führen können.
Wir konnten leider keine Konzerte von Trettmann finden.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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