Musik

Skandale in der Musikbranche – das können Fans tun, wenn die Streamingdienste schweigen

today20.05.2026

Hintergrund

Im vergangenen Jahr standen einige Musiker der Band Rammstein im Fokus der Öffentlichkeit. Sie sollen weibliche Fans nach ihren Konzerten betäubt und dann missbraucht haben. Bislang sind diese Schuldzuweisungen nicht bewiesen. Dennoch stellt sich die Frage, welche Konsequenzen – abseits des Rechtsweges – solche Taten für die beschuldigten Sängerinnen und Sänger überhaupt haben können.

Musiker und ihre Straftaten

Skandale in der Musikbranche – das können Fans tun, wenn die Streamingdienste schweigen

Die Musikbranche war in den letzten Jahren leider nicht arm an Skandalen. Während sich die Kultrocker von Rammstein dem bislang unbestätigten Vorwurf der Vergewaltigung ausgesetzt sehen, ist der US-amerikanische Rapper R. Kelly deswegen bereits verurteilt worden. Sein Kollege Sean „Diddy“ Combs sitzt dagegen eine Freiheitsstrafe wegen Nötigung ab. Ein Schauspieler in gleicher Situation müsste davon ausgehen, für keinen Film mehr besetzt zu werden. Ein Sportler hätte Schwierigkeiten bei der Suche eines neuen Vereins. Doch was haben Musiker neben diesen persönlichen strafrechtlichen Folgen eigentlich zu befürchten?

Streamingdienste bleiben oft tatenlos

Kürzlich hat ein Team aus Forschern der Wirtschaftsuniversität Wien die Frage untersucht, wie vor allem die großen Musikplattformen im Internet agieren, wenn Vorwürfe schwerer Straftaten gegen ihre Künstler erhoben werden. Die Antwort ist so simpel wie ernüchternd: Die Streamingdienste wie Spotify, Apple und Amazon lassen die Songs der betroffenen Musiker meist uneingeschränkt in ihrem Portfolio, Fans haben darauf also einen uneingeschränkten Zugriff. Die einzige bislang bekannte Ausnahme erfolgte rund um die Verurteilung von R. Kelly – die Werke des Amerikaners wurden zeitweise nicht zum Abhören freigegeben.

Die Nachfrage bei den Fans steigt

Demgegenüber stellt sich die Frage, welchen Einfluss die Vorwürfe gegen Bands und Sänger auf die Fans haben. Abermals können die Streamingdienste und die dort generierten Verkaufszahlen herangezogen werden: Getreu dem Motto „Any publicity is good publicity“ dürfen die Musiker, die wegen eines Skandals im Lichte der Öffentlichkeit stehen, zumindest kurzzeitig mit einer Steigerung ihrer Bekanntheit rechnen – die sich in der direkten Folge auch positiv auf die Klicks und Likes in den sozialen Medien niederschlägt. Je häufiger die Betroffenen in den Nachrichten auftauchen, desto mehr wird der Algorithmus der Streamingplattformen zu ihren Gunsten beeinflusst.

Augen auf beim Musikkauf

Sofern sich die Streamer weigern, die Werke beschuldigter oder gar verurteilter Musiker aus ihrem Repertoire zu nehmen sowie deren Songs zumindest mit einem aufklärenden Label zu versehen, ist es für viele Menschen natürlich schwierig, straffällige Sängerinnen und Sänger zu ignorieren. Dennoch liegt darin auch die Macht der Verbraucher – immerhin geht aufgrund der sinkenden Kauf- und Streamingzahlen für die Musiker stets ein erheblicher Geldbetrag verloren. Mitunter ist das eine der wenigen Möglichkeiten für die Fans, ihren favorisierten Künstlern die Rote Karte zu zeigen.

Geschrieben von: RadioMonster.FM