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today28.02.2026
Sheila, geboren als Anny Chancel, zählt zu den größten französischen Popstars und prägte über sechs Jahrzehnte die Musikgeschichte. Von der Yé-yé-Ikone der 1960er Jahre zur internationalen Disco-Queen avancierte sie mit Hits wie “Spacer” zum weltweiten Phänomen. Ihre bemerkenswerte Wandlungsfähigkeit und ihr unverwechselbarer Stil machten sie zur Legende der französischen Varieté-Musik.
| Künstlername | Sheila |
| Bürgerlicher Name | Anny Chancel |
| Genre | Französisch-Pop, Yé-yé, Disco, Pop-Rock |
| Größter Hit | Spacer |
| Geburtsdatum | 16. August 1945 |
| Geburtsort | Créteil, Frankreich |
| Staatsangehörigkeit | Französisch |
| Sternzeichen | Löwe |
| Markenzeichen | Stilwechsel über Jahrzehnte, Schulmädchen-Image zu Disco-Glamour |

Anny Chancel wuchs als Einzelkind in bescheidenen Verhältnissen bei Paris auf. Ihr Vater André war auf Märkten tätig, während ihre Mutter Micheline die Familie unterstützte. Schon früh zeigte das kleine Mädchen aus Créteil außergewöhnliches musikalisches Talent. Mit acht Jahren erhielt sie Klavierunterricht und Solfège-Ausbildung, träumte aber zunächst von einer Karriere als Balletttänzerin oder Zirkuskünstlerin. Das Schicksal hatte jedoch andere Pläne für die junge Anny.
Im Jahr 1962, mit gerade einmal 16 Jahren, wurde sie von dem Produzenten Claude Carrère entdeckt. Ihre Eltern unterschrieben einen Vertrag, der den Grundstein für eine beispiellose Karriere legte. Carrère erkannte sofort das Potenzial des Teenagers und formte aus Anny Chancel die Kunstfigur Sheila. Der Name sollte Programm werden – kurz, einprägsam und international verständlich.
Ihr erster großer Wurf kam noch im selben Jahr: “L’école est finie” wurde 1963 veröffentlicht und entwickelte sich zum Sensationserfolg. Der Song über das Ende der Schulzeit traf den Nerv einer ganzen Generation französischer Teenager und katapultierte Sheila auf Platz 1 der französischen Charts. Mit ihrem Schulmädchen-Image, den charakteristischen Zöpfen und dem unschuldigen Auftreten verkörperte sie perfekt den Geist der Yé-yé-Bewegung, die Frankreich in den 1960er Jahren erfasste.
Die folgenden Jahre waren geprägt von einem Hit nach dem anderen. “Vous les copains” festigte 1964 ihren Status als Teenie-Idol, während ihre französische Version von “Bang Bang” internationale Aufmerksamkeit erregte. Sheila sang nicht nur auf Französisch – sie nahm ihre Songs auch auf Spanisch, Deutsch und Italienisch auf, was ihre Reichweite erheblich vergrößerte. In Lateinamerika wurde sie besonders populär, wo ihre spanischen Versionen begeistert aufgenommen wurden.
Zwischen 1963 und 1969 veröffentlichte Sheila eine beeindruckende Serie von Alben, darunter “Le Sifflet des copains”, “Écoute ce disque” und “Oncle Jo”. Ihre Produktivität war enorm, und sie entwickelte sich zur kommerziell erfolgreichsten französischen Künstlerin ihrer Generation. Das Internetradio spielt heute noch regelmäßig ihre Klassiker aus dieser Ära.
Die 1970er Jahre markierten einen bedeutenden Wendepunkt in Sheilas Karriere. Sie wollte nicht länger nur als niedliches Schulmädchen wahrgenommen werden und strebte nach künstlerischer Reife. 1976 gelang ihr mit “Les Femmes (Qu’y a-t-il dans le cœur des femmes)” ein bemerkenswerter Erfolg, der ihre neue, erwachsenere Ausrichtung unterstrich. Der Song erreichte Platz 1 in Frankreich und hielt sich monatelang in den Charts.
Doch die wahre Revolution stand noch bevor. 1977 gründete Sheila zusammen mit drei afro-amerikanischen Musikern und Tänzern – Arthur Wilkins, Freddie Stracham und Dany Mac Farlane – das Projekt Sheila & B. Devotion. Dieser Schritt bedeutete einen radikalen Stilwechsel: weg vom französischen Chanson, hin zur internationalen Disco-Musik. Sie wechselte zur englischen Sprache und arbeitete mit den besten Produzenten der Disco-Ära zusammen.
Die Zusammenarbeit mit dem legendären Produzenten-Duo Nile Rodgers und Bernard Edwards von Chic sollte sich als Geniestreich erweisen. “Love Me Baby” und “Singin’ in the Rain” wurden 1977 zu internationalen Disco-Hits und eroberten die Tanzflächen Europas. Sheila hatte sich erfolgreich neu erfunden und bewies, dass sie mehr war als nur ein französisches Phänomen.
1979 kam dann der Song, der Sheilas Namen endgültig in die Geschichtsbücher der Popmusik einschreiben sollte: “Spacer”. Produziert von Nile Rodgers und Bernard Edwards, vereinte der Track alles, was großartige Disco-Musik ausmachte – eine unwiderstehliche Basslinie, funkige Gitarren, präzise Arrangements und Sheilas selbstbewussten Gesang. Der Song wurde zum weltweiten Phänomen und verkaufte über fünf Millionen Exemplare.
In Großbritannien erreichte “Spacer” Platz 18 der Charts, in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern stürmte der Song die Top 10. Selbst in den USA, wo europäische Künstler traditionell schwer Fuß fassen konnten, wurde der Track ein Achtungserfolg. Die einprägsame Melodie und der innovative Sound machten “Spacer” zu einem Klassiker, der bis heute auf Streaming-Plattformen und im Radio gespielt wird.
Der Erfolg von “Spacer” öffnete Sheila Türen zu einer völlig neuen Dimension ihrer Karriere. Sie tourte international, trat in den wichtigsten Fernsehshows auf und wurde zu einem Symbol für die Disco-Ära. Das Album “King of the World” von 1980 setzte die erfolgreiche Zusammenarbeit mit B. Devotion fort, doch nach diesem Höhepunkt trennte sich die Formation. Sheila entschied sich, ihre Solo-Karriere fortzusetzen.
Die 1980er Jahre brachten erneut einen Stilwechsel. Sheila kehrte zur französischen Sprache zurück und veröffentlichte 1981 das Album “Little Darlin'”, produziert von Keith Olsen in den USA. Die gleichnamige Single erreichte sogar Platz 49 der US Billboard Charts – ein bemerkenswerter Erfolg für eine französischsprachige Künstlerin. In dieser Phase begann auch ihre künstlerische und private Partnerschaft mit Yves Martin, den sie 1983 heiratete und der ihre musikalische Richtung maßgeblich prägte.
Alben wie “On Dit…” und “Je Suis Comme Toi” zeigten eine persönlichere, introspektivere Seite von Sheila. Sie thematisierte in ihren Texten nun auch schwierigere Lebenserfahrungen und gesellschaftliche Themen. Doch das Jahrzehnt brachte auch persönliche Tragödien mit sich, die Sheila tief erschütterten. Ende der 1980er Jahre zog sie sich weitgehend aus dem Musikgeschäft zurück.
Von 1989 bis 1998 pausierte Sheila weitgehend von ihrer Musikkarriere. In dieser Zeit widmete sie sich anderen künstlerischen Projekten, schrieb Bücher und trat gelegentlich im Fernsehen auf. Diese Phase der Reflexion und Neuorientierung sollte sich als wichtig für ihr späteres Comeback erweisen.
1998 kehrte Sheila mit einem Album zurück, das Neuaufnahmen ihrer größten Hits sowie neue Songs enthielt. Das Publikum empfing sie mit offenen Armen – die Nostalgie für die Yé-yé-Ära und die Disco-Zeit war groß. Mit “Dense” (1999) und “Seulement pour toi” (2002) bewies sie, dass sie auch moderne Dance- und Elektro-Elemente überzeugend in ihre Musik integrieren konnte.
Ihre Tourneen zu runden Jubiläen wurden zu triumphalen Erfolgen. Die Tour zum 40-jährigen Bühnenjubiläum 2002 zog Zehntausende Fans an, die die lebende Legende feiern wollten. Sheila zeigte, dass sie trotz ihres Alters nichts von ihrer Bühnenpräsenz und stimmlichen Kraft verloren hatte.
2021 überraschte sie mit dem Album “Venue d’ailleurs”, das beweist, dass ihre kreative Schaffenskraft ungebrochen ist. 2024 wurde ihr mit der Ernennung zum Officier de la Légion d’honneur die höchste Anerkennung zuteil, die Frankreich seinen Künstlern verleihen kann. Diese Ehrung würdigte ihre über 60-jährige Karriere und ihren immensen Beitrag zur französischen Kultur.
Die Tournee zum 60-jährigen Bühnenjubiläum, die sich von 2022 bis 2025 erstreckte, wurde zu einem emotionalen Höhepunkt. Fans aller Generationen kamen zusammen, um eine Künstlerin zu feiern, die mehrere Epochen der Popmusik geprägt hat. 2025 veröffentlichte Sheila mit “À l’Avenir” ein weiteres Album, das zeigt, dass sie auch mit 79 Jahren noch relevante und zeitgemäße Musik produzieren kann.
Sheilas Einfluss auf die französische und internationale Popkultur kann kaum überschätzt werden. Sie verkaufte im Laufe ihrer Karriere schätzungsweise über 65 Millionen Tonträger weltweit, wobei allein in Frankreich über 20 bis 30 Millionen Exemplare abgesetzt wurden. Diese kommerziellen Zahlen werden zwar gelegentlich diskutiert, doch ihre kulturelle Bedeutung steht außer Frage.
Besonders bemerkenswert ist ihre Fähigkeit zur Neuerfindung. Vom unschuldigen Teenie-Idol der 1960er Jahre über die glamouröse Disco-Queen bis zur reifen Chanson-Interpretin durchlief Sheila mehrere künstlerische Metamorphosen, ohne dabei ihre Authentizität zu verlieren. Diese Wandlungsfähigkeit inspirierte Generationen von Künstlern und zeigte, dass Langlebigkeit im Musikgeschäft möglich ist.
Ihr Einfluss reicht weit über ihre eigenen Aufnahmen hinaus. “Spacer” wurde 2001 von der schwedischen Band Alcazar für ihren Hit “Crying at the Discothèque” gesampelt, was den Song einer neuen Generation vorstellte. Zahlreiche Remixe und Coverversionen ihrer Klassiker beweisen die zeitlose Qualität ihrer Musik.
Mode und Stil wurden ebenfalls von Sheila geprägt. Ihr Yé-yé-Look mit Zöpfen und Miniröcken wurde zum Inbegriff der französischen 1960er Jahre Mode. Später setzte sie mit ihren glamourösen Disco-Outfits neue Maßstäbe für Bühnenpräsenz und Performance. Ihre visuelle Präsentation war stets ebenso durchdacht wie ihre musikalische Ausrichtung.
Persönlich musste Sheila schwere Schicksalsschläge verkraften, darunter der Verlust ihres Sohnes Ludovic Chancel, über den sie in mehreren Büchern schrieb. Diese Offenheit gegenüber ihren Fans und die Bereitschaft, auch schmerzhafte Erfahrungen zu teilen, machten sie zu mehr als nur einer Entertainerin – sie wurde zu einer Figur, mit der sich Menschen identifizieren konnten.
Heute wird Sheila als “kleines Mädchen von nebenan” bezeichnet, das es an die Weltspitze schaffte. Ihre Geschichte ist die eines außergewöhnlichen Talents, das durch harte Arbeit, Anpassungsfähigkeit und künstlerischen Mut eine beispiellose Karriere aufbaute. Sie bleibt eine Ikone der französischen Popmusik und ein leuchtendes Beispiel dafür, wie man über Jahrzehnte hinweg relevant bleiben kann, ohne seine Wurzeln zu verleugnen.
Wir konnten leider keine Konzerte von Sheila finden.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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