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today28.02.2026
Das Rödelheim Hartreim Projekt war eines der prägendsten deutschen Hip-Hop-Projekte der 1990er Jahre und brachte den harten Straßenrap aus Frankfurt in die Charts. Moses Pelham und Thomas Hofmann setzten mit ihrer direkten Sprache und dem hessischen Dialekt neue Maßstäbe im deutschsprachigen Rap. Ihre provokanten Texte und der ungeschönte Blick auf das Leben in Rödelheim machten sie zu Pionieren einer ganzen Generation.
| Künstlername | Rödelheim Hartreim Projekt |
| Mitglieder | Moses Pelham, Thomas Hofmann |
| Genre | Deutschsprachiger Hip-Hop, Rap |
| Größter Hit | Höha, schnella, weita |
| Gründungsjahr | 1993 |
| Auflösungsjahr | 1996/1997 |
| Land | Deutschland |
| Markenzeichen | Hessischer Dialekt, provokante Texte, Rödelheim-Bezug |

Im Jahr 1993 taten sich Moses Pelham und Thomas Hofmann im Frankfurter Stadtteil Rödelheim zusammen, um gemeinsam Musikgeschichte zu schreiben. Moses Pelham, geboren am 24. Februar 1971 in Frankfurt am Main, hatte bereits als Teenager erste Erfolge mit englischsprachigem Rap gefeiert. Seine Single “Twilight Zone” aus dem Jahr 1989 zeigte schon früh sein Talent. Doch mit dem Rödelheim Hartreim Projekt sollte etwas völlig Neues entstehen – authentischer deutscher Hip-Hop, der sich nicht hinter amerikanischen Vorbildern versteckte, sondern selbstbewusst die eigene Herkunft und Sprache in den Mittelpunkt stellte.
Der Name des Projekts war Programm: Rödelheim stand für die lokale Verwurzelung, Hartreim für den kompromisslosen Stil. Die beiden Rapper wollten zeigen, dass deutscher Hip-Hop mehr sein konnte als eine bloße Kopie amerikanischer Vorbilder. Sie rappten im hessischen Dialekt über das Leben auf der Straße, über Probleme und Realitäten, die vielen Jugendlichen aus der Seele sprachen. Diese Authentizität sollte zum Markenzeichen werden.
Das Debütalbum “Direkt aus Rödelheim” erschien 1994 und schlug ein wie eine Bombe. Zusammen mit den Produzenten Martin Haas und Robert Sattler schufen Pelham und Hofmann einen Sound, der rau und ungeschliffen war, aber genau deshalb so authentisch wirkte. Als Gastsänger waren unter anderem Xavier Naidoo und Sabrina Setlur dabei, die damals noch unter dem Namen Schwester S. auftrat. Diese Zusammenarbeit sollte sich für alle Beteiligten als wegweisend erweisen.
Das Album verkaufte sich rund 160.000 Mal und stieg auf Platz 31 der deutschen Charts ein, wo es bemerkenswerte 22 Wochen blieb. Singles wie “Reime” mit Xavier Naidoo, “Keine ist” und “Wenn es nicht hart ist” zeigten die verschiedenen Facetten des Projekts. Besonders kontrovers war der Track “Krieg”, in dem ein Sample aus Joseph Goebbels’ Sportpalastrede verwendet wurde. Diese Provokation sorgte für heftige Diskussionen und machte deutlich, dass RHP nicht bereit war, Kompromisse einzugehen.
Die Texte waren direkt, oft provokant und richteten sich auch gegen etablierte Größen der deutschen Hip-Hop-Szene wie die Fantastischen Vier. Diese Abgrenzung war gewollt und half dabei, eine eigene Identität zu schaffen. Das Rödelheim Hartreim Projekt stand für einen härteren, authentischeren Rap, der sich nicht um Radiotauglichkeit scherte.
Nach einem Livealbum namens “Live aus Rödelheim” im Jahr 1995, das Platz 46 der Charts erreichte, folgte 1996 das zweite und letzte Studioalbum “Zurück nach Rödelheim”. Dieses Album wurde zum größten kommerziellen Erfolg des Projekts und stieg auf Platz 3 der deutschen Albumcharts ein. Mit über 180.000 verkauften Exemplaren allein im Erscheinungsjahr übertraf es den Erfolg des Debüts deutlich.
Die Single “Höha, schnella, weita” wurde zum bekanntesten Hit des Duos und erreichte Platz 30 der deutschen Single-Charts. Weitere Auskopplungen wie “Türkisch” und “Ich bin” folgten und festigten den Status als eine der wichtigsten deutschen Hip-Hop-Acts der Neunziger. Die Musikvideos waren aufwendig produziert und zeigten unter anderem Hubschrauberaufnahmen – ein Statement, dass man es geschafft hatte und sich nicht mehr verstecken musste.
Das Album zeigte eine gewisse Reife im Vergleich zum Debüt, ohne dabei die Härte und Direktheit zu verlieren. Die Themen blieben nah an der Realität, die Sprache ungeschönt. Für viele Hörer, die über Streaming-Dienste oder Internetradio später auf die Musik stießen, wurde “Zurück nach Rödelheim” zum Einstieg in das Werk des Duos.
Trotz des großen Erfolgs löste sich das Rödelheim Hartreim Projekt bereits 1996 beziehungsweise 1997 faktisch auf. Ein geplantes drittes Studioalbum mit dem Titel “Odyssee in Rödelheim” wurde nie realisiert. Die Gründe für das Ende wurden nie vollständig öffentlich gemacht, doch es war klar, dass Moses Pelham andere Pläne hatte. Er konzentrierte sich zunehmend auf sein Label Pelham Power Productions, kurz 3P, und seine Solokarriere.
Thomas Hofmann zog sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und ist seitdem kaum noch in der Musikszene aktiv. Über sein weiteres Leben ist wenig bekannt, was seinen Wunsch nach Privatsphäre unterstreicht. Moses Pelham hingegen wurde zu einer der zentralen Figuren des deutschen Hip-Hop und R&B, produzierte erfolgreiche Acts wie Xavier Naidoo und Glashaus und veröffentlichte eigene Soloalben.
Die Bedeutung des Rödelheim Hartreim Projekts für die deutsche Hip-Hop-Szene kann kaum überschätzt werden. Sie ebneten den Weg für eine ganze Generation von Rappern, die sich trauten, auf Deutsch und im Dialekt zu rappen. Die Authentizität und der Mut zur Provokation wurden zum Vorbild für viele nachfolgende Künstler.
Beide Studioalben des Rödelheim Hartreim Projekts wurden mit Gold ausgezeichnet für jeweils über 250.000 verkaufte Exemplare. “Direkt aus Rödelheim” erhielt die Auszeichnung im Jahr 2004, “Zurück nach Rödelheim” sogar erst 2025, was die anhaltende Popularität der Musik unterstreicht. Im Jahr 2004 wurden beide Alben mit Bonustracks neu veröffentlicht, was einer neuen Generation den Zugang zu dieser wichtigen Phase des deutschen Hip-Hop ermöglichte.
Das Projekt wird heute als Meilenstein der deutschen Rapgeschichte betrachtet. Die Verbindung von lokaler Identität, authentischer Sprache und kompromisslosem Stil hat Standards gesetzt, die bis heute nachwirken. Wer heute über Online Radio oder andere Plattformen die Musik des Rödelheim Hartreim Projekts hört, erlebt ein Stück Zeitgeschichte – rau, ehrlich und unverfälscht. Die Songs erzählen von einer Zeit, in der deutscher Hip-Hop noch um seine Identität rang und Künstler wie Moses Pelham und Thomas Hofmann den Mut hatten, neue Wege zu gehen. Ihr Einfluss auf die Entwicklung des deutschsprachigen Rap ist unbestritten und macht sie zu Pionieren, deren Werk auch Jahrzehnte später noch relevant und hörenswert ist.
Wir konnten leider keine Konzerte von Rödelheim Hartreim Projekt finden.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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