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today28.02.2026
Pino D’Angiò war einer der schillerndsten Vertreter des italienischen Italo-Disco und Funk der 1980er Jahre. Mit seinem Welthit “Ma quale idea” schrieb er Musikgeschichte und gilt als Pionier des italienischen Rap-Funk. Sein unverwechselbarer, rauer Gesangsstil und seine humorvollen, selbstironischen Texte machten ihn zu einer einzigartigen Erscheinung in der europäischen Popmusik.
| Künstlername | Pino D’Angiò |
| Bürgerlicher Name | Giuseppe Chierchia |
| Genre | Italo Disco, Funk, Pop |
| Größter Hit | Ma quale idea |
| Geburtsdatum | 14. August 1952 |
| Geburtsort | Pompei, Kampanien, Italien |
| Wohnort | Formello, Latium, Italien |
| Todesdatum | 6. Juli 2024 |
| Sterbeort | Formello, Latium, Italien |
| Staatsangehörigkeit | Italienisch |
| Sternzeichen | Löwe |
Giuseppe Chierchia wurde am 14. August 1952 in Pompei geboren, einer Stadt, die für ihre antiken Ruinen weltberühmt ist. Seine Familie stammte ursprünglich aus Mercato San Severino. Sein Vater Francesco war Ingenieur, seine Mutter Franca Romana arbeitete als Lehrerin. Die beruflichen Verpflichtungen des Vaters führten die Familie in die Vereinigten Staaten und nach Kanada, wo der junge Giuseppe einen Teil seiner Kindheit verbrachte. Diese frühen Erfahrungen in Nordamerika sollten seinen musikalischen Horizont erweitern und ihn mit verschiedenen Musikstilen in Kontakt bringen. 1963 kehrte die Familie nach Italien zurück, wo Giuseppe seine Jugend verbrachte.
Nach dem obligatorischen Militärdienst entschied sich Giuseppe für ein Medizinstudium an der Universität von Siena. Doch die Musik ließ ihn nicht los. Um sich sein Studium zu finanzieren, begann er in lokalen Bars zu singen. Diese Auftritte waren mehr als nur ein Nebenverdienst – sie wurden zum Sprungbrett für seine Karriere. In einer dieser Bars traf er auf den Produzenten Ezio Leoni, der sein Talent erkannte und ihm die Tür zur professionellen Musikwelt öffnete. Musikalisch ließ sich Giuseppe stark von Fred Buscaglione inspirieren, einem italienischen Sänger und Schauspieler, dessen lässiger, jazziger Stil ihn faszinierte.
1979 veröffentlichte Pino D’Angiò, wie er sich nun nannte, seine erste Single “È libero, scusi?”. Doch der wirkliche Durchbruch sollte erst ein Jahr später kommen. 1980 erschien “Ma quale idea”, ein Song, der die Musikwelt im Sturm eroberte. Mit seiner eingängigen Basslinie, dem funkigen Beat und Pinos charakteristischem Sprechgesang wurde der Track zu einem internationalen Phänomen. In den Niederlanden erreichte er die Top 2, in der Schweiz Platz 5, in Belgien Platz 9 und in Spanien sogar die Spitzenposition. Weltweit verkaufte sich die Single über zwölf Millionen Mal – eine beeindruckende Zahl für einen italienischen Künstler in dieser Ära.
Was “Ma quale idea” so besonders machte, war die innovative Verschmelzung verschiedener Stilrichtungen. Der Song gilt als eines der frühesten Beispiele für Rap-Funk-Fusion in Italien und zeigte, dass Disco und Funk mit gesprochenen Passagen kombiniert werden konnten. Die markante Basslinie wurde später oft mit “Ain’t No Stoppin’ Us Now” von McFadden & Whitehead verglichen, doch Pino D’Angiò betonte stets, dass er und sein Bassist Stefano Cerri die Linie unabhängig entwickelt hatten. Der Song wurde zu seinem Markenzeichen und wird bis heute in zahlreichen Internetradio-Programmen und auf Streaming-Plattformen gespielt.
Nach dem Erfolg von “Ma quale idea” folgte eine produktive Phase. 1981 erschien sein Debütalbum “…Balla!” und die Single “Un concerto da strapazzo”, die besonders in Italien populär wurde. Ein Jahr später kam “Fammi un panino” heraus, ein weiterer charakteristischer Song, der seine Fähigkeit zeigte, alltägliche Situationen mit Humor und Groove zu verbinden. Zwischen 1981 und 1989 erhielt Pino mehrere Goldene Schallplatten, die seinen kommerziellen Erfolg untermauerten.
Seine Diskografie der 1980er Jahre umfasst Alben wie “Ti regalo della musica” (1982), “Una notte maledetta” (1983) und “Sunshine Blue” (1986). Jedes dieser Werke zeigte verschiedene Facetten seines Talents – von tanzbaren Disco-Nummern bis zu jazzigen Einflüssen. 1988 erschien “Gente sì & gente no”, gefolgt von “Dancing in Jazz” (1989), das seine Liebe zum Jazz deutlich machte. Pino D’Angiò war nie jemand, der sich auf einen Stil festlegen ließ. Er experimentierte ständig und suchte nach neuen musikalischen Ausdrucksformen.
In den 1990er Jahren erweiterte Pino D’Angiò sein künstlerisches Spektrum erheblich. Er arbeitete nicht nur als Sänger, sondern auch als Songwriter für andere Künstler. Besonders bemerkenswert war seine Komposition “Ma chi è quello lì” für die legendäre italienische Sängerin Mina. Zudem war er in Radio- und Fernsehprogrammen aktiv und zeigte sein Talent als Entertainer auch jenseits der Bühne.
Unter dem Pseudonym “Age of Love” arbeitete er mit dem Produzenten Bruno Sanchioni zusammen und kreierte 1990 einen Dance-Track, der in der Clubszene große Beachtung fand. Diese Zusammenarbeit zeigte seine Fähigkeit, sich in verschiedenen elektronischen Musikgenres zu bewegen. Seine Alben aus dieser Zeit, darunter “STS – Siamo tutti stufi” (1991) und “Notte d’amore” (1997, als Pino D’Angiò & Powerfunk), dokumentieren seine musikalische Entwicklung und seinen Willen, sich nicht auf vergangenen Erfolgen auszuruhen.
Die 2000er und 2010er Jahre brachten weitere Veröffentlichungen, die seine Liebe zum Jazz und zur experimentellen Musik zeigten. “Lettere a Federico Fellini” (2002) war eine Hommage an den großen italienischen Regisseur, während “The Italian Jazz Band & Fred Buscaglione Theory” (2011) seine frühe Inspiration würdigte. Mit “Dagli Italiani a Beethoven” (2016) wagte er sich sogar an klassische Einflüsse heran.
Pino D’Angiòs Leben war nicht nur von musikalischen Erfolgen geprägt, sondern auch von schweren gesundheitlichen Rückschlägen. Er erkrankte an Kehlkopfkrebs und musste sich sechs Operationen unterziehen. Später kamen Lungenkrebs, ein Sarkom, ein Herzinfarkt und sogar ein Herzstillstand hinzu. Diese Erfahrungen hätten viele Menschen gebrochen, doch Pino ließ sich nicht unterkriegen. Sein Gesangsstil wurde durch die Operationen noch rauer und charakteristischer, was paradoxerweise zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen wurde.
2024, im Alter von 71 Jahren, erlebte Pino D’Angiò noch einmal einen bemerkenswerten Karrierehöhepunkt. Er nahm am renommierten Sanremo Musikfestival teil und präsentierte gemeinsam mit der Band Bnkr44 eine neue Version von “Ma quale idea”, die als “Ma che idea” veröffentlicht wurde. Die Neuinterpretation wurde in Italien zu einem Radiohit und brachte seinen Klassiker einer neuen Generation näher. Es war ein bewegender Moment, der zeigte, dass gute Musik zeitlos ist.
Nur wenige Monate später, am 6. Juli 2024, verstarb Pino D’Angiò in seinem Zuhause in Formello in der Region Latium. Seine Familie gab die traurige Nachricht über soziale Medien bekannt. Die Musikwelt verlor einen Pionier, der mit seiner Kreativität, seinem Humor und seiner Beharrlichkeit Generationen von Musikern beeinflusst hatte. Postum erschien noch das Album “Funky Maestro”, das als würdiges musikalisches Vermächtnis gilt.
Pino D’Angiòs Einfluss auf die Popmusik kann kaum überschätzt werden. Die Basslinie von “Ma quale idea” wurde 1999 von der australischen Band Madison Avenue für ihren Hit “Don’t Call Me Baby” gesampelt, wofür Pino den ASCAP Rhythm & Soul Music Award erhielt – eine seltene Auszeichnung für einen italienischen Künstler in den USA. Sein Song wurde zu einem der meistgesampelten Tracks der Italo-Disco-Ära und inspirierte unzählige Produzenten und DJs weltweit.
Seine Musik lebt weiter auf Online Radio-Plattformen und in den Playlists von Disco- und Funk-Liebhabern. Besonders im Webradio-Bereich erfreuen sich seine Klassiker ungebrochener Beliebtheit. Seine selbstironischen Texte über Disco-Kultur, Eitelkeit und amouröse Abenteuer waren ihrer Zeit voraus und zeigten, dass Popmusik nicht immer ernst sein muss, um bedeutsam zu sein.
Pino D’Angiò war mehr als nur ein One-Hit-Wonder. Er war ein vielseitiger Künstler, der Jazz, Funk, Disco und elektronische Musik zu einem einzigartigen Sound verschmolz. Seine über 20 Alben dokumentieren eine beeindruckende kreative Reise, die von den Disco-Floors der 1980er bis zu experimentellen Jazz-Projekten der 2010er Jahre reichte. Sein raues Organ, sein unverkennbarer Groove und seine Fähigkeit, verschiedene Musikstile zu vereinen, machen ihn zu einer unvergesslichen Figur der europäischen Popmusikgeschichte. Für Fans von Italo-Disco und Funk bleibt Pino D’Angiò eine Legende, deren Musik auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung nichts von ihrer Frische und ihrem Charme verloren hat.
Wir konnten leider keine Konzerte von Pino D'Angiò finden.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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