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today28.02.2026
Cassius war ein französisches Elektro-Duo, das als eine der prägenden Kräfte der French-Touch-Bewegung in die Musikgeschichte einging. Philippe “Zdar” Cerboneschi und Hubert “Boom Bass” Blanc-Francard schufen mit ihrem charakteristischen Sound aus House, Funk und Disco unvergessliche Clubhymnen. Nach dem tragischen Tod von Zdar im Jahr 2019 endete die Ära des Duos, das über zwei Jahrzehnte die elektronische Tanzmusik mitgestaltete.
| Künstlername | Cassius |
| Mitglieder | Philippe “Zdar” Cerboneschi, Hubert “Boom Bass” Blanc-Francard |
| Genre | French House, French Touch, House, Electronica |
| Größter Hit | Cassius 1999 |
| Gründungsjahr | 1988 |
| Auflösungsjahr | 2019 |
| Land | Frankreich |
| Markenzeichen | Samples aus Soul und Disco, hochkarätige Kollaborationen, melodischer House-Sound |

Die Geschichte von Cassius begann 1988 in Paris, als sich Philippe Cerboneschi und Hubert Blanc-Francard kennenlernten. Beide waren tief in der aufstrebenden französischen Hip-Hop-Szene verwurzelt und arbeiteten zunächst als Produzenten für MC Solaar, einen der bedeutendsten französischen Rapper jener Zeit. Diese frühe Zusammenarbeit legte den Grundstein für ihre spätere musikalische Partnerschaft und schulte ihr Gehör für eingängige Beats und innovative Produktionstechniken.
Unter dem Namen La Funk Mob veröffentlichten die beiden erste EPs und experimentierten mit verschiedenen elektronischen Stilen. Parallel dazu war Zdar am Projekt Motorbass beteiligt, wo er gemeinsam mit Étienne de Crécy weitere Erfahrungen im Bereich der elektronischen Tanzmusik sammelte. Diese vielfältigen musikalischen Ausflüge prägten den späteren Sound von Cassius entscheidend und machten sie zu Meistern des Samplings und der Klangcollage.
Mitte der 1990er Jahre nahm das Duo den Namen Cassius an – eine Hommage an den legendären Boxer Cassius Clay, später bekannt als Muhammad Ali. 1996 erschienen die ersten House-Tracks unter diesem Namen, darunter der Song “Foxxy”, der in der Clubszene für Aufsehen sorgte. Doch der eigentliche Durchbruch sollte erst einige Jahre später kommen.
1999 wurde zum Schicksalsjahr für Cassius. Mit der Single “Cassius 1999” gelang ihnen ein internationaler Hit, der in Großbritannien Platz 7 der Charts erreichte. Der Track verkörperte perfekt den Sound der French-Touch-Bewegung: treibende House-Beats, gefilterte Disco-Samples und eine unwiderstehliche Energie, die Tanzflächen weltweit zum Beben brachte. Das gleichnamige Debütalbum erschien Anfang 1999 und etablierte Cassius als feste Größe in der elektronischen Musiklandschaft. Weitere Singles wie “Feeling for You”, das Platz 16 in den britischen Charts erreichte, und “La Mouche” festigten ihren Ruf als Meister des tanzbaren House.
Mit ihrem zweiten Album “Au Rêve” aus dem Jahr 2002 bewiesen Cassius, dass sie mehr waren als nur One-Hit-Wonder. Der Song “The Sound of Violence” mit Sänger Steve Edwards wurde zu einem ihrer größten Erfolge und erreichte Platz 1 der US Dance Charts. Die Kombination aus pulsierenden Synthesizern, Edwards’ eindringlichem Gesang und der charakteristischen Cassius-Produktion machte den Track zu einem Klassiker, der heute noch auf vielen Streaming-Plattformen und in Internetradio-Programmen läuft.
“I’m a Woman” mit der Soul-Legende Jocelyn Brown zeigte eine weitere Facette des Duos: die Fähigkeit, mit etablierten Künstlern zusammenzuarbeiten und deren Stärken in ihren elektronischen Sound zu integrieren. Diese Kollaborationen sollten zu einem Markenzeichen von Cassius werden. Das Album “15 Again” von 2006 ging noch einen Schritt weiter in Richtung Experimentierfreude. Tracks wie “Toop Toop” zeigten ein Duo, das bereit war, Risiken einzugehen und die Grenzen des House-Genres auszuloten.
Nach einer längeren Pause meldeten sich Cassius 2016 mit “Ibifornia” zurück, einem Album, das nach der spanischen Insel Ibiza benannt war und die dortige Clubkultur zelebrierte. Mit Gastbeiträgen von Cat Power, Pharrell Williams und Ryan Tedder von OneRepublic demonstrierten Zdar und Boom Bass ihre anhaltende Relevanz in der sich ständig wandelnden Welt der elektronischen Musik. Die Vielfalt der Kollaborationen spiegelte ihre Offenheit für verschiedene musikalische Einflüsse wider und zeigte, dass sie nach wie vor am Puls der Zeit waren.
Das Jahr 2019 sollte Triumph und Tragödie zugleich bringen. Cassius hatten ihr fünftes Studioalbum “Dreems” fertiggestellt, ein Werk, das ihre gesamte musikalische Reise zusammenfasste und neue kreative Wege beschritt. Doch nur zwei Tage nach dem Tod von Philippe “Zdar” Cerboneschi am 19. Juni 2019 wurde das Album veröffentlicht. Zdar war bei einem tragischen Unfall in Paris ums Leben gekommen – ein Schock für die gesamte Musikwelt.
Der Verlust von Zdar bedeutete das faktische Ende von Cassius. Boom Bass erklärte später, dass das Duo ohne seinen Partner “keinen Grund mehr zu existieren” habe. Diese Aussage verdeutlichte die enge kreative und persönliche Verbindung zwischen den beiden Musikern, die über drei Jahrzehnte zusammengearbeitet hatten. “Dreems” wurde somit zum musikalischen Vermächtnis eines Duos, das die elektronische Tanzmusik nachhaltig geprägt hatte.
Die Bedeutung von Cassius für die elektronische Musik kann kaum überschätzt werden. Gemeinsam mit Daft Punk, Air und anderen französischen Künstlern prägten sie die French-Touch-Bewegung, die in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren die internationale Clubszene revolutionierte. Ihr Ansatz, Disco- und Funk-Samples mit modernen House-Beats zu verbinden, schuf einen Sound, der sowohl nostalgisch als auch futuristisch wirkte.
Über ihre Arbeit als Cassius hinaus war Zdar als Produzent und Studioingenieur für zahlreiche andere Künstler tätig. Er arbeitete mit Phoenix, den Beastie Boys, Sébastien Tellier und vielen anderen zusammen und hinterließ seine Handschrift auf unzähligen Produktionen. Diese Vielseitigkeit machte ihn zu einer Schlüsselfigur der französischen und internationalen Musikszene. Boom Bass wiederum reflektierte 2021 in seinem Buch “Boombass. Une histoire de la French touch” über die Karriere des Duos und die gesamte Bewegung.
Die Auszeichnungen blieben nicht aus: Cassius erhielten 2000 eine Nominierung bei den Victoires de la musique für ihr Album “1999” in der Kategorie “Album nouvelles tendances”. 2017 folgte eine weitere Nominierung für das Musikvideo zu “The Missing”. Doch wichtiger als jede Trophäe war der Einfluss, den Cassius auf nachfolgende Generationen von Produzenten und DJs ausübten. Ihr Sound findet sich heute noch in zahllosen Produktionen wieder, und ihre Tracks werden weiterhin in Clubs, auf Festivals und im Radio gespielt, wo sie neue Hörer für die Magie der French Touch begeistern.
Die fünf Studioalben von Cassius – “1999”, “Au Rêve”, “15 Again”, “Ibifornia” und “Dreems” – dokumentieren eine musikalische Reise, die von Hip-Hop-Produktionen über House-Hymnen bis hin zu experimentellen Klanglandschaften reichte. Jedes Album zeigte eine andere Facette des Duos und bewies ihre Fähigkeit zur ständigen Weiterentwicklung. Heute gelten Cassius als Pioniere, die bewiesen haben, dass elektronische Tanzmusik sowohl intellektuell anspruchsvoll als auch körperlich mitreißend sein kann – ein Erbe, das in der DNA der modernen Clubkultur weiterleben wird.
Wir konnten leider keine Konzerte von Cassius finden.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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