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today28.02.2026
Carrapicho ist eine brasilianische Musikgruppe aus dem Amazonasgebiet, die 1996 mit ihrem internationalen Superhit „Tic, Tic, Tac” weltberühmt wurde. Die Band verbindet traditionelle Rhythmen aus der Region Parintins mit modernen Tanzklängen und folkloristischen Elementen des Boi Bumbá. Seit ihrer Gründung Ende der 1970er Jahre prägt Carrapicho die brasilianische Musikszene mit lebendigen Performances und authentischer Amazonas-Kultur.
| Künstlername | Carrapicho |
| Mitglieder | Adriano Pantoja, Marcelo Sá, Tila Jhones, Domlean, Trícia, Pitote, Mario Jorge, Alex, Jonaci, Daniel, Luciano Dias |
| Genre | Latin Pop, Forró, Boi Bumbá, Folkloristischer Tanz |
| Größter Hit | Tic, Tic, Tac |
| Gründungsjahr | 1980 |
| Land | Brasilien |
| Markenzeichen | Amazonas-Folklore, Boi Bumbá-Rhythmen, farbenfrohe Tanzperformances |

Die Geschichte von Carrapicho beginnt in den späten 1970er Jahren in Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas. Roberto Bezerra de Oliveira, bekannt als „Bopp”, gründete die Gruppe gemeinsam mit Zezinho Nunes Corrêa und dem Percussionisten Fernando Hugo Giffoni. Am 7. Juni 1980 erfolgte die offizielle Registrierung der Band. Von Anfang an war es das Ziel der Musiker, die reiche musikalische Tradition ihrer Heimatregion zu bewahren und weiterzuentwickeln.
In den ersten Jahren konzentrierte sich Carrapicho hauptsächlich auf traditionelle brasilianische Musik, insbesondere den Forró, einen populären Tanzstil aus dem Nordosten Brasiliens. Doch die Band integrierte auch regionale Rhythmen aus dem Amazonasgebiet, vor allem die Toadas des berühmten Festivals von Parintins. Dieses Festival, bei dem zwei Gruppen in einem farbenprächtigen Wettbewerb gegeneinander antreten, prägte den Sound und die visuelle Ästhetik von Carrapicho nachhaltig. Die ersten etwa 15 Jahre blieb die Gruppe vorwiegend regional aktiv und veröffentlichte kleinere Platten für ein lokales Publikum.
Das Jahr 1996 sollte alles verändern. Mit der Veröffentlichung der Single „Tic, Tic, Tac” im Juni gelang Carrapicho der internationale Durchbruch. Der Song war Teil des Albums „Festa do Boi Bumbá” und verband eingängige Melodien mit den charakteristischen Rhythmen des Amazonas. Eine entscheidende Rolle beim weltweiten Erfolg spielte der französische Produzent und Sänger Patrick Bruel, der den Song in Frankreich bekannt machte und bei der Verbreitung half.
Der Erfolg war überwältigend: In Frankreich erreichte „Tic, Tic, Tac” Platz 1 der Charts und hielt sich dort drei Wochen lang. Die Single erhielt Diamantstatus mit über 750.000 verkauften Exemplaren. Doch nicht nur in Frankreich wurde der Song zum Hit – in Belgien erreichte er Platz 2 in der Wallonie und Platz 6 in Flandern, in Spanien Platz 3, in Österreich Platz 2 und in der Schweiz Platz 6. Selbst in Deutschland schaffte es eine Remix-Version mit der Sängerin Chilli auf Platz 5 der Charts.
In Brasilien selbst wurde „Tic, Tic, Tac” 1996 zu einem der meistgespielten Songs des Jahres und landete auf Platz 34 der Jahrescharts. Der erste große Fernsehauftritt erfolgte in der beliebten Show „Domingo Legal”, moderiert von Gugu Liberato, der die Gruppe entdeckt und eingeladen hatte. Dieser Auftritt katapultierte Carrapicho endgültig ins nationale Rampenlicht. Die lebendige Performance, die farbenfrohen Kostüme und die mitreißende Choreographie machten die Band zu einem Phänomen, das weit über die Musikszene hinausstrahlte.
Der Sommerhit „Tic, Tic, Tac” wurde 1996 und 1997 in ganz Europa zu einem festen Bestandteil von Clubs, Urlaubsorten und Radiostationen. Besonders bemerkenswert war die Vielfalt der Coverversionen: Der russische Sänger Murat Nasyrov nahm eine Version mit dem Titel „Malchik hochet v Tambov” auf, die 1997 mit dem prestigeträchtigen „Golden Gramophone Award” ausgezeichnet wurde. Es entstanden auch französische Versionen und verschiedene Remixe, die den Song in unterschiedlichen musikalischen Kontexten neu interpretierten.
Die Tanzchoreographien, die zum Song entwickelt wurden, trugen maßgeblich zu seiner Popularität bei. In vielen europäischen Ländern wurde „Tic, Tic, Tac” zum Synonym für Sommerstimmung und lateinamerikanische Lebensfreude. Der Song schaffte es, kulturelle Grenzen zu überwinden und Menschen verschiedenster Herkunft auf den Tanzflächen zu vereinen. Interessanterweise war der Song ursprünglich bereits 1992 im Rahmen des Folklorefestivals von Parintins produziert worden, bevor er vier Jahre später als Single international veröffentlicht wurde.
Zwischen 1983 und 2004 veröffentlichte Carrapicho etwa 18 Alben, die die musikalische Entwicklung der Band dokumentieren. Das Debütalbum „Carrapicho” erschien 1983, gefolgt von „Grupo Carrapicho” (1985) und „Forró Gingado” (1987). In den späten 1980er Jahren folgten „Êita! Chegou A Hora!” (1988) und „Com Jeitinho Doce” (1989), die den charakteristischen Sound der Band weiter verfeinerten.
Die 1990er Jahre markierten die produktivste Phase: „Sacolejo” (1992), „13 Anos de Sucesso” (1993/1994), „Baticundum” (1994) und „Bumbalanço” (1995) bereiteten den Boden für den großen Erfolg. Nach dem Durchbruch mit „Festa do Boi Bumbá” (1996) und einer Kompilation „Grandes Sucessos” im selben Jahr folgten „Rebola” (1997), „Quero Amor” (1998), „Trem de Marrakesh” (2000), „Gente da Floresta” (2001) und „Carrapicho no Forró” (2002). Das Album „Ritmo Quente” erschien 2004, später auch als Live-DVD.
Neben „Tic, Tic, Tac” veröffentlichte die Band weitere Singles wie „Rebola”, „Quero Amor” und „Trem de Marrakesh”, die jedoch hauptsächlich in Brasilien erfolgreich waren und nicht die internationale Reichweite des großen Hits erreichten. Dennoch zeigen diese Veröffentlichungen die musikalische Vielseitigkeit und Kreativität der Gruppe, die stets bestrebt war, traditionelle Elemente mit modernen Produktionstechniken zu verbinden. Wer heute ein Internetradio einschaltet, kann die Musik von Carrapicho auf verschiedenen Streaming-Plattformen entdecken und die Energie dieser besonderen brasilianischen Band erleben.
Nach dem intensiven Erfolg der späten 1990er Jahre legte Carrapicho zwischen 2002 und 2007 eine kreative Pause ein. Diese Zeit der Ruhe diente der Neuorientierung und Regeneration. Nach der Rückkehr veröffentlichte die Band weiterhin Alben und DVDs, konnte jedoch nicht mehr an die internationalen Erfolge der Hochphase anknüpfen.
Ein schwerer Schlag traf die Band am 6. Februar 2021, als der langjährige Leadsänger José Maria Nunes Corrêa, bekannt als Zezinho Corrêa, in Manaus an den Folgen einer COVID-19-Erkrankung verstarb. Zezinho war am 21. Dezember 1951 in Manaus geboren worden und hatte die Band über Jahrzehnte geprägt. Sein Tod hinterließ eine große Lücke, nicht nur in der Band, sondern in der gesamten brasilianischen Musikszene.
Doch Carrapicho gab nicht auf. Seit etwa 2025 ist die Band mit neuer Besetzung wieder aktiv. Adriano Pantoja übernahm den Hauptgesang und führt das musikalische Erbe von Zezinho Corrêa fort. Die aktuelle Formation umfasst neben Pantoja auch Marcelo Sá an der Percussion, Tila Jhones an Gitarre und Violão, Domlean am Charango, Trícia am Bass, Pitote am Akkordeon, Mario Jorge am Keyboard, Alex am Schlagzeug sowie Jonaci, Daniel und Luciano Dias an den Bläsern. Ergänzt wird die Band durch die Tänzerinnen und Tänzer Taiana, Fabiana, Wilker und Sandro, die die visuelle Performance bereichern.
Carrapicho hat weit mehr geleistet als nur einen internationalen Hit zu produzieren. Die Band hat die Musik und Kultur des Amazonasgebiets auf die Weltbühne gebracht und gezeigt, dass traditionelle Rhythmen und moderne Popmusik eine faszinierende Verbindung eingehen können. Das Markenzeichen der Gruppe – die Verwendung traditioneller Instrumente, die lebendigen Tanzperformances und die farbenfrohen Bühnenshows – hat Generationen von Musikern inspiriert.
Die Diamant-Zertifizierung in Frankreich und die zahlreichen Chartplatzierungen in Europa belegen die außergewöhnliche Reichweite von „Tic, Tic, Tac”. Der Song wurde zu einem kulturellen Phänomen, das in Urlaubsregionen, bei Sommerveranstaltungen und in Clubs weltweit gespielt wird. Die vielen Coverversionen in verschiedenen Sprachen zeigen, wie universell die Musik von Carrapicho verstanden und geschätzt wird.
Heute steht Carrapicho für die Verbindung von Tradition und Moderne, von lokaler Identität und globaler Reichweite. Die Band hat bewiesen, dass Musik aus entlegenen Regionen die Welt erobern kann, wenn sie authentisch ist und mit Leidenschaft präsentiert wird. Die Neuformierung der Gruppe zeigt, dass der Geist von Carrapicho weiterlebt und neue Generationen die Botschaft der Amazonas-Kultur in die Zukunft tragen. Wer die energiegeladenen Rhythmen der Band erleben möchte, findet sie heute auf zahlreichen Online Radio Plattformen, wo die Musik von Carrapicho weiterhin Menschen zum Tanzen bringt und die Lebensfreude Brasiliens verbreitet.
Wir konnten leider keine Konzerte von Carrapicho finden.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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