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Es ist ein schöner Dienstagmorgen irgendwo auf Mallorca, der Kaffee dampft und der Laptop ist aufgeklappt. Alles ist bestens, bis auf eine Kleinigkeit: Der gewohnte Radiosender aus der Heimat lässt sich plötzlich nicht mehr abspielen. Das Problem lautet oft Geo-Blocking. Allerdings lässt sich das mit einem VPN in der Regel effektiv umgehen. Wie das klappt, erklären wir für Radiofreunde in diesem Ratgeber.
Radiosender müssen für ihre Musikauswahl und Inhalte Nutzungsrechte erwerben, etwa bei der GEMA in Deutschland oder vergleichbaren Verwertungsgesellschaften in anderen Ländern. Diese Lizenzen gelten jedoch nicht weltweit, sondern immer nur für ein bestimmtes Territorium. Ein US-amerikanischer Sender hat seine Rechte für die USA gekauft, die BBC für Großbritannien und ein deutsches Privatradio für den deutschen Markt. Wer sich außerhalb dieser Grenzen befindet, bekommt technisch gesehen keinen Zutritt. Möglich wird das durch die IP-Adresse, die jedes Gerät beim Verbindungsaufbau mitschickt. Sie verrät nicht den Namen, aber sehr wohl den ungefähren Standort des Nutzers. Erkennt der Server des Radiosenders eine ausländische IP, wird der Stream schlicht gesperrt. So weit, so nachvollziehbar. Interessant ist dabei eine wichtige Nuance: Nicht alle deutschen Sender blockieren ihre Streams im Ausland. Viele Livestreams lassen sich auch aus dem Urlaub direkt über die Sender-Website oder Apps wie Radio.de problemlos hören. Das eigentliche Ärgernis entsteht häufig durch Aggregatoren, die eigene regionale Sperren einrichten, völlig unabhängig davon, ob der Sender selbst das möchte.
Hier kommt ein VPN ins Spiel, und das Konzept dahinter ist eigentlich erfrischend simpel. VPN steht für Virtual Private Network und beschreibt im Grunde einen verschlüsselten Umweg durch das Internet. Statt direkt mit dem Zielserver zu kommunizieren, verbindet sich das Gerät zunächst mit einem VPN-Server irgendwo auf der Welt, und dieser stellt dann die eigentliche Verbindung zur Website oder zum Stream her. Für den Radiosender sieht es so aus, als käme die Anfrage aus dem Land, in dem der VPN-Server steht. Die eigene IP-Adresse verschwindet dabei hinter der des Servers. Das bedeutet konkret: Wer sich auf Mallorca befindet, sich über ein VPN mit einem deutschen Server verbindet und dann Radio Bremen aufruft, wird von Radio Bremen als Nutzer mit deutscher IP-Adresse wahrgenommen. Problem gelöst, Morgenprogramm läuft. Abgesehen vom vollwertigen VPN gibt es noch Proxy-Erweiterungen für den Browser, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren. Der Unterschied liegt in der Tiefe der Umsetzung. Ein Proxy-Browser-Plugin täuscht nur innerhalb des Browsers einen anderen Standort vor, erfasst aber nicht den gesamten Datenverkehr des Geräts. Für schlichtes Radiohören im Browser kann das reichen, für alles andere ist ein richtiges VPN die verlässlichere Wahl.
Die gute Nachricht ist, dass die Einrichtung deutlich weniger einschüchternd ist, als der Begriff “Virtual Private Network” vermuten lässt:
Wichtig zu wissen: Etwas komplizierter wird es bei Smart-TVs, denn dort lässt sich eine VPN-App meistens nicht direkt installieren. Die elegante Lösung liegt entweder in einem kleinen Streaming-Stick wie dem Amazon FireTV Stick oder einer Android-TV-Box, die beide VPN-Apps unterstützen und sich problemlos an den Fernseher anschließen lassen. Noch komfortabler ist die Einrichtung direkt am Router, etwa über das WireGuard-Protokoll auf einer FRITZ!Box, denn dann läuft jedes Gerät im Heimnetzwerk automatisch über den VPN-Tunnel, ohne dass es weiterer Konfiguration bedarf. Praktisch ist zudem, dass ein einziger VPN-Account bei den meisten Anbietern für mehrere Geräte gleichzeitig gilt, sodass Laptop, Smartphone und Tablet parallel abgesichert sind.
Die Versuchung ist groß, zunächst zu einem kostenlosen VPN zu greifen, schließlich klingt “gratis” immer verlockend. Nichtsdestotrotz zeigt die Praxis, dass kostenlose Angebote fast immer mit spürbaren Einschränkungen daherkommen, z.B. begrenztes Datenvolumen, geringere Geschwindigkeit oder ein lückenhaftes Servernetzwerk, das ausgerechnet das benötigte Land nicht abdeckt. Für sporadisches Surfen mag das tolerierbar sein, für dauerhaftes Radio-Streaming scheidet es in der Regel aus. Kostenpflichtige Anbieter sind in dieser Hinsicht deutlich zuverlässiger und der Preis ist längst kein Argument mehr dagegen, denn mit etwas Recherche finden sich Jahresabonnements für zwei bis drei Euro im Monat. Die ExpressVPN Bewertung spricht in diesem Fall Bände. Der Anbieter zählt zu den beliebtesten am Markt. Tipp: Wer sich noch unsicher ist, nutzt am besten die Geld-zurück-Garantie vieler Anbieter für einen risikofreien Test. So kann ermittelt werden, ob alles läuft.
So praktisch ein VPN ist, es gibt eine unerwartete Kehrseite, über die sich kaum jemand im Voraus Gedanken macht. Manche Radiosender, die eigentlich weltweit frei zugänglich wären, lassen sich mit aktivem VPN-Tunnel plötzlich nicht mehr empfangen. Der Grund: Einige Dienste erkennen bekannte VPN-Server und sperren diese pauschal, manchmal unabhängig davon, ob der Inhalt überhaupt geo-geblockt ist. Das klingt paradox, ist aber real. In solchen Fällen hilft ein Wechsel auf einen anderen Server desselben Anbieters, was bei den meisten Apps mit zwei Klicks erledigt ist. Darüber hinaus ist eine rechtliche Einordnung sinnvoll. Das Nutzen eines VPNs selbst ist in Deutschland vollkommen legal. Allerdings kann das Umgehen von Geo-Sperren gegen die Nutzungsbedingungen einzelner Dienste verstoßen. Das ist ein Unterschied, den man kennen sollte.
Bevor das VPN als Universalantwort auf jede Radiofrage gilt, lohnt ein kurzer Blick auf Plattformen wie Radio Garden, die bereits ohne jeden technischen Aufwand Tausende Sender aus aller Welt zugänglich machen, darunter viele, die sonst geo-geblockt wären. Für spontanes Entdecken internationaler Radiostationen ist das ein hervorragender Ausgangspunkt. Ein VPN wird dann notwendig, wenn ein ganz bestimmter Sender gefragt ist, der auf solchen Plattformen nicht verfügbar ist oder eigene Geo-Sperren betreibt, etwa BBC Sounds, bestimmte US-Regionalsender oder einige ARD-Inhalte. Dann ist ein VPN das flexibelste und zuverlässigste Werkzeug, das trotz aller Technik am Ende mit einem einzigen Klick funktioniert.
Geschrieben von: admin
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