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today28.02.2026
M.C. Sar war das Gesicht eines der erfolgreichsten deutschen Eurodance-Projekte der 1990er Jahre. Hinter dem Namen verbarg sich ein cleveres Konzept, bei dem verschiedene Personen für Studio und Bühne zum Einsatz kamen. Mit Hits wie “Another Night” eroberte das Projekt weltweit die Charts.
| Künstlername | M.C. Sar & The Real McCoy |
| Mitglieder | Olaf Jeglitza (O-Jay), Karin Kasar, George Shampro Mario, Patricia Petersen |
| Genre | Eurodance, Hip-House, Dance-Pop |
| Größter Hit | Another Night |
| Gründungsjahr | 1989 |
| Land | Deutschland |
| Markenzeichen | Mischung aus Rap und eingängigen weiblichen Refrains, Verwendung von Session-Sängern |

Die Geschichte von M.C. Sar begann in West-Berlin, wo Olaf Jeglitza am 15. Februar 1965 geboren wurde. Als echter Pionier der deutschen Hip-Hop-Bewegung machte er sich bereits Mitte der 1980er Jahre einen Namen in der aufstrebenden Szene. Gemeinsam mit Frank “Quickmix” Hassas gründete er das Produzenten- und DJ-Kollektiv “Freshline”, das später zum kreativen Kern des Real McCoy-Projekts werden sollte. Die Berliner Hip-Hop-Szene war damals noch überschaubar, aber voller Energie und Experimentierfreude.
Der Durchbruch kam 1989 eher zufällig, als Jeglitza den Auftrag erhielt, eine Rap-Version von Technotronics “Pump Up the Jam” zu produzieren. Diese Coverversion erschien unter dem Namen “M.C. Sar & The Real McCoy” und erreichte auf Anhieb Platz 16 der deutschen Charts. Was als einmaliges Projekt gedacht war, entwickelte sich schnell zu etwas Größerem. Der Name “M.C. Sar” stand dabei für eine fiktive Frontperson, die das Rap-Gesicht der Gruppe darstellte, während Jeglitza selbst im Hintergrund die eigentlichen Rap-Parts einsprach.
Nach dem ersten Achtungserfolg folgte 1990 mit “It’s On You” der nächste Hit, der Platz 11 in Deutschland und sogar Platz 8 in der Schweiz erreichte. Doch der wahre Durchbruch sollte erst noch kommen. Das Album “On the Move!” etablierte das Projekt im europäischen Raum, aber niemand ahnte, welche Dimension der Erfolg annehmen würde. Die Produzenten von Freshline arbeiteten kontinuierlich an neuen Tracks und perfektionierten ihren Sound, der Eurodance-Beats mit Hip-Hop-Elementen verband.
1993 erschien dann “Another Night”, zunächst in Europa mit mäßigem Erfolg. Doch als der Song über Kanada seinen Weg in die USA fand, explodierte er regelrecht. Platz 3 in den amerikanischen Billboard-Charts, Platz 2 in Großbritannien, Platz 1 in Australien und Kanada – der Track wurde zum weltweiten Phänomen. Die Mischung aus treibenden Dance-Beats, eingängigen Melodien und den charakteristischen Rap-Einlagen traf den Nerv der Zeit perfekt. Wer damals Internetradio oder Streaming genutzt hätte, wäre dem Song kaum entkommen – stattdessen lief er in Dauerschleife im Radio und in Clubs rund um den Globus.
Mit dem Erfolg von “Another Night” änderte sich auch der Name des Projekts. Ab 1994/95 firmierte die Gruppe nur noch als “Real McCoy”, da der amerikanische Markt mit dem kompletten Namen Schwierigkeiten hatte. Das Album “Space Invaders” in Europa beziehungsweise “Another Night” in den USA wurde mehrfach mit Platin und Gold ausgezeichnet. Die Band erhielt 1995 sogar den Billboard Music Award als “New Artist of the Year” – eine bemerkenswerte Leistung für ein deutsches Dance-Projekt.
Was viele Fans nicht wussten: Die Person, die als M.C. Sar bei Auftritten und in Videos zu sehen war – George Shampro Mario – war nicht derjenige, der die Rap-Parts aufnahm. Diese stammten ausschließlich von Olaf Jeglitza. Ähnlich verhielt es sich mit dem Gesang: Während Patricia “Patsy” Petersen als visuelle Frontfrau auftrat, wurden die meisten Gesangsparts von der Session-Sängerin Karin Kasar eingesungen. Dieses Konzept war in der Eurodance-Szene der 1990er Jahre nicht ungewöhnlich, sorgte aber später für einige Diskussionen.
Die Strategie hatte durchaus ihre Berechtigung: Für Live-Auftritte und Promotion brauchte man charismatische Persönlichkeiten, während im Studio die besten Stimmen zum Einsatz kamen. Im Laufe der Jahre wechselten die visuellen Repräsentanten mehrfach – Vanessa Mason, Lisa Cork und Yvonne “Sunday” Parker waren zeitweise als Sängerinnen dabei. Doch das kreative Herzstück blieb immer Olaf Jeglitza zusammen mit den Produzenten von Freshline, zu denen auch Jürgen “J. Wind” Wind gehörte.
Nach “Another Night” folgten weitere Hits, die das Projekt auf der Erfolgswelle hielten. “Run Away” erreichte 1994 ebenfalls Platz 3 in den USA und Platz 6 in Großbritannien und wurde in Amerika mit Gold ausgezeichnet. “Automatic Lover (Call For Love)” schaffte es in die Top 20 mehrerer Länder, während “Love & Devotion” 1995 besonders in Australien, Finnland und Schottland die Top 10 erreichte. Das Album “Space Invaders” beziehungsweise die US-Version “Another Night” verkaufte sich millionenfach und machte Real McCoy zu einem der international erfolgreichsten deutschen Acts der 1990er Jahre.
Interessanterweise war der Erfolg in Deutschland vergleichsweise moderat. Während die Gruppe in Übersee gefeiert wurde, blieben die Chartplatzierungen in der Heimat hinter den internationalen Erfolgen zurück. “Another Night” erreichte in Deutschland nur Platz 18, während der Song gleichzeitig die Charts in Nordamerika und Australien dominierte. Dieses Phänomen war typisch für viele Eurodance-Acts jener Zeit, die im Ausland oft erfolgreicher waren als zu Hause.
Das dritte Album “One More Time” erschien 1997, konnte aber nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen. Der Eurodance-Boom ebbte ab, neue Musikstile drängten in die Charts. 1999 erwarb Olaf Jeglitza die alleinigen Nutzungsrechte am Namen “Real McCoy” und versuchte mit verschiedenen Besetzungen ein Comeback. Es folgten Jahre mit wechselnden Aktivitäten, Kompilationen wie “Best Of” (2002) und “Platinum & Gold Collection” (2003) hielten die Erinnerung wach.
Seit 2016 tritt Jeglitza wieder gemeinsam mit Karin Kasar als Real McCoy auf – diesmal mit der Sängerin, die tatsächlich die meisten Hits eingesungen hatte. Die beiden touren durch Europa und spielen auf 90er-Jahre-Festivals, wo ihre Songs bei Fans, die damals Online Radio oder Webradio noch nicht kannten, nostalgische Erinnerungen wecken. Die Musik von M.C. Sar & The Real McCoy hat sich als zeitloser Bestandteil der Eurodance-Ära etabliert und wird heute noch regelmäßig gestreamt und im Radio gespielt. “Another Night” wurde sogar in retrospektiven Bestenlisten als einer der besten Pop-Songs aller Zeiten geführt – eine Ehre, die nur wenigen Dance-Tracks zuteil wird.
Die Geschichte von M.C. Sar zeigt, wie ein cleveres Konzept, talentierte Produzenten und der richtige Sound zur richtigen Zeit einen weltweiten Erfolg schaffen können. Das Projekt mag ein typisches Kind seiner Zeit gewesen sein, doch die Hits haben überdauert und erinnern an eine Ära, in der Eurodance die Tanzflächen der Welt eroberte.
Wir konnten leider keine Konzerte von M.C. Sar finden.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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