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today28.02.2026
Cornershop ist eine britische Band, die seit 1991 mit ihrer einzigartigen Mischung aus Indie-Rock, Britpop und traditioneller Punjabi-Musik für Furore sorgt. Die Gruppe aus Leicester wurde vor allem durch ihren Welthit „Brimful of Asha” bekannt, der in der Remix-Version von Fatboy Slim die Spitze der britischen Charts eroberte. Mit ihrer experimentierfreudigen Herangehensweise und politisch-kulturellen Texten haben Tjinder Singh und seine Mitstreiter ein unverwechselbares musikalisches Profil geschaffen.
| Künstlername | Cornershop |
| Mitglieder | Tjinder Singh, Ben Ayres, Nick Simms, Peter Bengry, Adam Blake, Pete Downing, James Milne |
| Genre | Alternative Rock, Indie Rock, Britpop, Punjabi-Folk-Fusion |
| Größter Hit | Brimful of Asha |
| Gründungsjahr | 1991 |
| Land | Vereinigtes Königreich |
| Markenzeichen | Fusion von westlichen und indischen Musikstilen, politische Texte, experimentelle Vielfalt |

Als Tjinder Singh und sein Bruder Avtar Singh 1991 in Leicester Cornershop gründeten, hatten sie mehr im Sinn als nur Musik zu machen. Der Bandname selbst war bereits ein Statement – eine ironische Anspielung auf das Klischee, dass südasiatische Einwanderer in Großbritannien kleine Tante-Emma-Läden betreiben würden. Zusammen mit David Chambers am Schlagzeug und Ben Ayres an der Gitarre formierte sich eine Gruppe, die von Anfang an entschlossen war, musikalische und kulturelle Grenzen zu überschreiten. Tjinder Singh, der zuvor in der Studentenband General Havoc aktiv gewesen war und in Preston studiert hatte, brachte seine Erfahrungen als Barkeeper und seine Leidenschaft für verschiedenste Musikrichtungen mit in die neue Formation.
Die frühen Jahre waren geprägt von einer Do-it-yourself-Mentalität und dem Willen, sich nicht in eine Schublade stecken zu lassen. Bereits auf ihrem Debütalbum „Hold On It Hurts” von 1994 zeigten Cornershop, dass sie mehr waren als nur eine weitere Indie-Band aus den britischen Midlands. Sie kombinierten rohe Gitarrenklänge mit unkonventionellen Arrangements und politischen Botschaften, die sich mit Themen wie Rassismus, Identität und kultureller Zugehörigkeit auseinandersetzten.
Das Jahr 1997 sollte alles verändern. Mit dem Album „When I Was Born for the 7th Time” gelang Cornershop der künstlerische und kommerzielle Durchbruch. Das Herzstück dieses Albums war „Brimful of Asha”, eine Hommage an die legendäre indische Playback-Sängerin Asha Bhosle. Der Song vereinte auf brillante Weise Elemente aus Indie-Rock, Punjabi-Musik und Popkultur-Referenzen zu einem unwiderstehlichen Ganzen. Zunächst erreichte die Originalversion nur Platz 60 der britischen Charts – doch dann kam Norman Cook, besser bekannt als Fatboy Slim, ins Spiel.
Der Remix von Fatboy Slim verwandelte den ohnehin schon eingängigen Track in eine Dancefloor-Hymne, die im Februar 1998 die Spitze der UK Singles Charts eroberte. Plötzlich war Cornershop überall – im Radio, in Clubs und sogar in den USA, wo der Song Platz 16 der Modern Rock Charts erreichte. Die Ironie war nicht zu übersehen: Eine Band, die bewusst mit kulturellen Stereotypen spielte und traditionelle indische Musik mit westlichen Einflüssen verband, hatte einen der größten Hits der späten Neunziger gelandet. „Brimful of Asha” wurde zu einem Phänomen, das weit über die üblichen Grenzen von Indie- und Alternative-Musik hinausreichte.
Was Cornershop von vielen ihrer Zeitgenossen unterschied, war ihre konsequente Weigerung, sich zu wiederholen. Jedes Album klang anders, jede Veröffentlichung brachte neue Überraschungen. Auf „When I Was Born for the 7th Time” coverten sie beispielsweise den Beatles-Klassiker „Norwegian Wood” auf Punjabi – ein mutiger Schachzug, der ihre Fähigkeit unter Beweis stellte, verschiedene musikalische Welten miteinander zu verschmelzen. Die Band setzte traditionelle indische Instrumente wie Sitar, Tambura und Dholki ein, kombinierte sie aber mit westlichen Rockgitarren, Synthesizern und elektronischen Beats.
Das 2002 erschienene Album „Handcream for a Generation” zeigte eine andere Facette der Band. Singles wie „Lessons Learned from Rocky I to Rocky III”, die Platz 37 der UK-Charts erreichte, bewiesen, dass Cornershop auch nach ihrem großen Durchbruch noch relevante und eigenständige Musik produzieren konnten. Die Band experimentierte weiter mit verschiedenen Stilen – von Funk über Disco bis hin zu elektronischer Tanzmusik. Wer Cornershop im Internetradio oder auf Streaming-Plattformen hörte, konnte nie genau vorhersagen, was als Nächstes kommen würde.
Cornershop waren nie eine Band, die sich auf rein musikalische Aussagen beschränkte. Ihre Texte behandelten regelmäßig politische und gesellschaftliche Themen, insbesondere solche, die mit Migration, kultureller Identität und Rassismus zu tun hatten. Als britisch-asiatische Musiker in einer von weißen Künstlern dominierten Indie-Szene nahmen sie eine besondere Position ein und nutzten diese, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Tjinder Singh scheute sich nie davor, seine Meinung zu äußern – sei es zu Brexit, zu Fragen der kulturellen Aneignung oder zu den Herausforderungen, mit denen Minderheiten in Großbritannien konfrontiert waren.
Diese politische Dimension ihrer Arbeit zeigte sich auch in konkreten Projekten. So wurde beispielsweise ihr Instrumentalstück „Demon Is a Monster” als Titelmusik für einen Anti-Brexit-Podcast verwendet. Die Band verstand es, ihre künstlerische Plattform zu nutzen, um gesellschaftliche Debatten anzustoßen und dabei gleichzeitig musikalisch innovativ zu bleiben. Diese Verbindung von politischem Bewusstsein und künstlerischer Exzellenz machte Cornershop zu mehr als nur einer erfolgreichen Band – sie wurden zu wichtigen Stimmen im kulturellen Diskurs Großbritanniens.
Nach dem kommerziellen Höhepunkt Ende der Neunziger ging Cornershop ihren eigenen Weg weiter, unbeirrt von Markterwartungen oder Trends. 2009 erschien „Judy Sucks a Lemon for Breakfast”, gefolgt von der Kollaboration mit der Sängerin Bubbley Kaur auf „Cornershop and the Double ‘O’ Groove Of” im Jahr 2011. Besonders innovativ war das Projekt „The Singhles Club”, bei dem die Band ab 2011 ein Abonnement-Modell einführte: Fans konnten regelmäßig neue Songs samt Artwork erhalten – eine Vorwegnahme heutiger Streaming-Modelle und ein Beweis für die Experimentierfreude der Gruppe.
2020, fast drei Jahrzehnte nach ihrer Gründung, veröffentlichten Cornershop mit „England Is a Garden” ihr bislang letztes Studioalbum. Die Platte zeigte eine gereifte Band, die nichts von ihrer Neugier und ihrem Willen zur Innovation verloren hatte. Live-Auftritte von Cornershop waren legendär für ihre Unvorhersehbarkeit – manchmal dehnten sie instrumentale Passagen auf 15 Minuten aus, manchmal improvisierten Band und Publikum gemeinsam über lange Strecken. Diese „Spectral Mornings” genannten Sessions waren einzigartige musikalische Erlebnisse, die zeigten, dass Cornershop auch nach all den Jahren noch Grenzen ausloten wollten.
Die Band wurde 2011 bei den UK Asian Music Awards mit dem Preis „Commitment to Scene” ausgezeichnet – eine verdiente Anerkennung für eine Gruppe, die über Jahrzehnte hinweg ihre künstlerische Vision verfolgt und dabei wichtige Beiträge zur britischen Musiklandschaft geleistet hatte. Mit Tjinder Singh und Ben Ayres als konstantem Kern und wechselnden Mitgliedern wie Nick Simms, Peter Bengry, Adam Blake und anderen blieb Cornershop eine lebendige, sich entwickelnde musikalische Kraft. Ihre Diskografie von „Hold On It Hurts” bis „England Is a Garden” dokumentiert eine außergewöhnliche Reise durch verschiedenste musikalische Landschaften, immer getragen von der Überzeugung, dass Musik Grenzen überwinden und Brücken bauen kann.
Wir konnten leider keine Konzerte von Cornershop finden.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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