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today28.02.2026
M/A/R/R/S war ein einmaliges britisches Musikprojekt aus dem Jahr 1987, das mit dem bahnbrechenden Hit “Pump Up the Volume” Geschichte schrieb. Die Kollaboration vereinte Mitglieder von A.R. Kane und Colourbox sowie die DJs C.J. Mackintosh und Dave Dorrell zu einem revolutionären Dance-Track, der die Sampling-Kultur nachhaltig prägte.
| Künstlername | M/A/R/R/S |
| Mitglieder | Martyn Young, Steve Young, Alex Ayuli, Rudy Tambala, Russell Smith, Chris “C.J.” Mackintosh, Dave Dorrell |
| Genre | House, Acid House, Dance, Electronica |
| Größter Hit | Pump Up the Volume |
| Gründungsjahr | 1987 |
| Auflösungsjahr | 1987/88 |
| Land | Großbritannien |
| Markenzeichen | Innovative Sampling-Technik mit über 26 verschiedenen Samples |

Als das Independent-Label 4AD im Jahr 1987 die Idee entwickelte, zwei ihrer unterschiedlichsten Bands zusammenzubringen, ahnte wohl niemand, welch explosives Ergebnis daraus entstehen würde. M/A/R/R/S war von Anfang an als experimentelles Projekt konzipiert, das die Grenzen zwischen verschiedenen musikalischen Welten auflösen sollte. Der Name selbst war ein cleveres Akronym, zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen aller Beteiligten: Martyn Young und Steve Young von Colourbox, Alex Ayuli und Rudy Tambala von A.R. Kane sowie Russell Smith, ebenfalls aus dem A.R. Kane-Umfeld. Ergänzt wurde diese ungewöhnliche Konstellation durch die DJs Chris “C.J.” Mackintosh und Dave Dorrell, die ihre Expertise im Bereich Scratching und Club-Sound einbrachten.
Die Zusammenarbeit verlief allerdings alles andere als harmonisch. Beide Bands arbeiteten zunächst getrennt voneinander an ihren eigenen Stücken und tauschten erst später Elemente aus. Colourbox konzentrierte sich hauptsächlich auf “Pump Up the Volume”, während A.R. Kane “Anitina (The First Time I See She Dance)” entwickelte. Diese parallele Arbeitsweise spiegelte bereits die kreativen Spannungen wider, die das Projekt von Beginn an prägten. Unterschiedliche musikalische Visionen, Arbeitsweisen und Vorstellungen über die Ausrichtung des Materials führten zu Konflikten, die letztlich dazu beitrugen, dass M/A/R/R/S ein reines Ein-Hit-Wunder bleiben sollte.
Im Sommer 1987 wurde “Pump Up the Volume” aufgenommen und bereits im August desselben Jahres veröffentlicht. Der Song war eine regelrechte Revolution in der Popmusik – eine wilde Collage aus etwa 26 verschiedenen Samples, die von James Brown über Public Enemy bis hin zu den Bar-Kays reichten. Diese innovative Herangehensweise an die Musikproduktion war für die damalige Zeit absolut wegweisend und sollte die Entwicklung der elektronischen Tanzmusik nachhaltig beeinflussen. Der Track kombinierte House-Rhythmen mit experimentellen Elementen und schuf damit einen völlig neuen Sound, der sowohl in den Clubs als auch im Radio funktionierte.
Der kommerzielle Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. In Großbritannien schoss der Song in die Charts und erreichte Platz 1, wo er sich zwei Wochen lang halten konnte. Doch der Triumph beschränkte sich nicht auf die britischen Inseln. In Kanada, Italien, den Niederlanden und Neuseeland eroberte “Pump Up the Volume” ebenfalls die Spitzenposition. Selbst in den USA, wo der Song in einer leicht veränderten Version erschien, erreichte er Platz 13 in den Billboard Hot 100 und sogar Platz 1 in den Dance Club Play Charts. In Australien landete der Track auf Platz 6. Diese weltweite Resonanz war umso bemerkenswerter, als es sich um ein Projekt handelte, das eigentlich nur für eine einzige Veröffentlichung konzipiert war.
Der innovative Einsatz von Samples brachte M/A/R/R/S allerdings auch erhebliche rechtliche Probleme ein. Besonders das Sample aus “Roadblock” von Stock, Aitken & Waterman sorgte für Kontroversen. Als der Song bereits Platz 2 in den britischen Charts erreicht hatte, führten die rechtlichen Auseinandersetzungen zu einer vorübergehenden Unterbrechung der Distribution. Für die US-Veröffentlichung musste dieses problematische Sample komplett entfernt werden, was zu einer veränderten Version des Tracks führte. Diese Situation verdeutlichte die damals noch ungeklärten rechtlichen Rahmenbedingungen im Umgang mit Sampling in der Popmusik.
Trotz dieser Schwierigkeiten oder vielleicht gerade deswegen wurde “Pump Up the Volume” zu einem Meilenstein in der Geschichte der elektronischen Musik. Der Song demonstrierte eindrucksvoll, welche kreativen Möglichkeiten sich durch die Sampling-Technologie eröffneten. Die Art und Weise, wie verschiedenste musikalische Fragmente zu einem völlig neuen Ganzen zusammengefügt wurden, inspirierte unzählige Produzenten und Künstler in den folgenden Jahren. Wer heute einen Webradio-Sender mit elektronischer Musik einschaltet, hört die Nachwirkungen dieser Innovation noch immer.
Die Bedeutung von “Pump Up the Volume” wurde auch offiziell anerkannt. 1989 erhielt M/A/R/R/S eine Grammy-Nominierung in der Kategorie Best Pop Instrumental Performance – eine bemerkenswerte Würdigung für ein so experimentelles Projekt. In Großbritannien erreichte der Song Platin-Status, was die kommerzielle Durchschlagskraft eindrucksvoll unterstrich. Doch über die reinen Verkaufszahlen hinaus etablierte sich der Track als kulturelles Phänomen, das weit über seine Zeit hinauswirkte.
Das Musikvideo zum Song war ebenso unkonventionell wie die Musik selbst. Mit Bildern von Raumfahrt, Flugkörpern und Weltraummotiven schuf es eine visuelle Ästhetik, die perfekt zur futuristischen Klanglandschaft des Tracks passte. Diese experimentelle Herangehensweise fand sowohl in Clubs als auch im Fernsehen großen Anklang und trug zur Mythologisierung des Songs bei. “Pump Up the Volume” wurde zu einem festen Bestandteil der britischen Dance- und Club-Kultur und wird bis heute in retrospektiven Bestenlisten als einer der bedeutendsten Dance-Songs aller Zeiten geführt.
Nach dem überwältigenden Erfolg von “Pump Up the Volume” hätte man weitere Veröffentlichungen von M/A/R/R/S erwarten können, doch das Projekt wurde nie fortgesetzt. Die bereits während der Produktion sichtbar gewordenen Spannungen zwischen den beteiligten Künstlern, unterschiedliche Vorstellungen über die weitere Ausrichtung und Streitigkeiten über Eigentumsrechte am Namen führten dazu, dass M/A/R/R/S nach dieser einen Single-Veröffentlichung wieder auseinanderging. A.R. Kane und Colourbox kehrten zu ihren separaten Karrieren zurück, wobei sich Colourbox bald darauf auflöste, während A.R. Kane ihre eigene musikalische Entwicklung fortsetzte.
Tragischerweise verstarb Steve Young von Colourbox am 13. Juli 2016, was vom Label 4AD offiziell bestätigt wurde. Sein Tod erinnerte die Musikwelt noch einmal an die Bedeutung von M/A/R/R/S und den revolutionären Beitrag, den dieses kurzlebige Projekt zur Musikgeschichte geleistet hatte. Obwohl M/A/R/R/S nur für einen kurzen Moment existierte, bleibt der Einfluss von “Pump Up the Volume” bis heute spürbar. Der Song wird weiterhin in DJ-Sets gespielt, gesampelt und in verschiedensten Kontexten referenziert. Für viele Hörer, die Internetradio oder Streaming-Dienste nutzen, ist dieser Track nach wie vor ein Highlight, das die Energie und Innovation der späten 1980er Jahre perfekt einfängt. M/A/R/R/S mag nur eine einzige Single veröffentlicht haben, doch diese eine Veröffentlichung reichte aus, um einen bleibenden Platz in der Musikgeschichte zu sichern.
Wir konnten leider keine Konzerte von M/A/R/R/S finden.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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