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today28.02.2026
Boris Gardiner ist eine jamaikanische Reggae-Legende, die sowohl als Sänger, Bassist und Studiomusiker die Musikgeschichte der Insel nachhaltig geprägt hat. Sein größter internationaler Erfolg war 1986 die Ballade “I Wanna Wake Up With You”, die drei Wochen lang die britischen Charts anführte. Über sechs Jahrzehnte hinweg hat er an unzähligen Reggae-Klassikern mitgewirkt und sich als vielseitiger Künstler etabliert.
| Künstlername | Boris Gardiner |
| Genre | Reggae, Lovers Rock, Soul, R&B |
| Größter Hit | I Wanna Wake Up With You |
| Geburtsdatum | 13. Januar 1943 |
| Geburtsort | Kingston, Jamaika |
| Staatsangehörigkeit | Jamaikanisch |
| Sternzeichen | Steinbock |
| Markenzeichen | Sanfte, soulige Stimme, Liebesballaden im Reggae-Kontext |

Boris Gardiner wurde am 13. Januar 1943 im Stadtteil Rollington Town in Kingston geboren und wuchs in einer Zeit auf, als Jamaika musikalisch im Umbruch war. Seine schulische Laufbahn führte ihn zunächst zur Franklin Town Government School und später zum St. Monica’s College. Allerdings musste er seine Schulausbildung vorzeitig beenden, nachdem bei ihm Tachykardie diagnostiziert wurde. Diese gesundheitliche Herausforderung sollte ihn jedoch nicht davon abhalten, seinen Weg in der Musik zu finden.
Mit gerade einmal 17 Jahren stieg Gardiner um 1960 in die jamaikanische Musikszene ein. Seine erste Station war The Rhythm Aces, die Band von Richard Ace, wo er gemeinsam mit Delano Stewart spielte. Hier entstanden erste Aufnahmen wie “Angella” und “A Thousand Teardrops”. Besonders erwähnenswert ist der Weihnachtssong “C-H-R-I-S-T-M-A-S”, den er zusammen mit seinem Bruder Barrington Gardiner schrieb. Diese frühen Jahre legten den Grundstein für eine bemerkenswerte Karriere, die sich über mehr als sechs Jahrzehnte erstrecken sollte.
In den 1960er Jahren entwickelte sich Gardiner zu einem der gefragtesten Studiomusiker Jamaikas. Nach seiner Zeit bei The Rhythm Aces spielte er bei Kes Chin & The Souvenirs als Sänger, bei Carlos Malcolm & the Afro Caribs am E-Bass und gründete später seine eigene Gruppe The Broncos. Seine Vielseitigkeit führte ihn auch zu Byron Lee’s Dragonaires, einer der bekanntesten Bands der Insel.
Parallel zu diesen Bandaktivitäten wurde Gardiner zu einer festen Größe in den legendären jamaikanischen Aufnahmestudios. Er arbeitete mit Gruppen wie Now Generation, The Upsetters, The Aggrovators und The Crystallites zusammen. Seine Basslinie prägte klassische Produktionen bei Studio One und Black Ark. Songs wie “Real Rock”, Larry & Alvins “Nanny Goat” oder Marcia Griffiths’ “Feel Like Jumping” tragen seine musikalische Handschrift. Auch an Alben wie “Super Ape” von The Upsetters, “War Ina Babylon”, “Party Time” und “Police & Thieves” war er maßgeblich beteiligt. Diese intensive Studioarbeit machte ihn zu einem unverzichtbaren Teil der jamaikanischen Musikszene und ermöglichte es ihm, ein tiefes Verständnis für Arrangement und Produktion zu entwickeln.
Das Jahr 1970 markierte einen Wendepunkt in Gardiners Karriere. Mit dem Instrumental “Elizabethan Reggae”, einer Reggae-Adaption von Ronald Binges “Elizabethan Serenade”, gelang ihm ein überraschender Chart-Erfolg in Großbritannien. Der Song erreichte Platz 14 der britischen Charts und brachte den jamaikanischen Sound einem breiteren Publikum näher. Interessanterweise wurde der Track anfangs fälschlicherweise Byron Lee zugeschrieben, was zu einiger Verwirrung führte.
Im selben Jahr erschien auch sein Debütalbum “Reggae Happening”, gefolgt von “It’s So Nice to Be with You”. Die 1970er Jahre waren für Gardiner eine Phase intensiver kreativer Aktivität. Er veröffentlichte eine Reihe von Alben, darunter “Soulful Experience” (1971), “For All We Know” (1972) und “Is What’s Happening” (1973). Besonders bemerkenswert ist seine Arbeit am Soundtrack für den jamaikanischen Film “Every Nigger Is A Star” aus dem Jahr 1973. Dieser Titelsong sollte Jahrzehnte später eine unerwartete Renaissance erleben, als er von Kendrick Lamar für dessen Album “To Pimp a Butterfly” gesampelt und im oscarprämierten Film “Moonlight” verwendet wurde.
Trotz seines künstlerischen Erfolgs berichtete Gardiner später, dass er für einige seiner frühen Hits, insbesondere “Elizabethan Reggae”, kaum oder gar keine Tantiemen erhalten habe – ein Schicksal, das er mit vielen jamaikanischen Musikern seiner Generation teilte.
Nach Jahren als geschätzter Studiomusiker und Bassist erlebte Boris Gardiner 1986 seinen größten kommerziellen Durchbruch als Sänger. Mit seiner Version von “I Wanna Wake Up With You”, einem Cover des Songs von Ben Peters, eroberte er die internationalen Charts im Sturm. Der Song erreichte nicht nur Platz 1 in Großbritannien, wo er sich drei Wochen an der Spitze hielt, sondern wurde auch in Australien zur Nummer 1 und erreichte hohe Chartpositionen in Südafrika und anderen Ländern. Die sanfte Ballade wurde zu einem der meistverkauften Songs des Jahres in Großbritannien und stellte Gardiners soulige, warme Stimme ins Rampenlicht.
Das dazugehörige Album “Everything to Me” enthielt weitere erfolgreiche Singles. “You’re Everything to Me” erreichte Platz 11 in den britischen Charts und festigte Gardiners Position als internationaler Star. Selbst “The Meaning of Christmas” schaffte es noch auf Platz 69. Ein Duett mit Gwen Guthrie, “Friends and Lovers” (1987), erreichte zwar nur Platz 97, zeigte aber Gardiners Bereitschaft, verschiedene musikalische Richtungen zu erkunden.
Dieser späte Karriere-Höhepunkt im Alter von über 40 Jahren bewies, dass Gardiner nicht nur ein versierter Musiker, sondern auch ein charismatischer Interpret war. Seine Fähigkeit, Emotionen durch seine Stimme zu transportieren, machte ihn zu einem Pionier des sogenannten Lovers Rock, einer romantischen Spielart des Reggae. Viele Hörer, die seine Musik über Internetradio oder Streaming-Dienste entdecken, sind überrascht zu erfahren, dass hinter diesem sanften Hit ein Künstler mit jahrzehntelanger Erfahrung in der rauen Welt der jamaikanischen Studioproduktion steht.
Nach dem Erfolg der 1980er Jahre blieb Gardiner weiterhin musikalisch aktiv. In den 1990er und 2000er Jahren veröffentlichte er Alben wie “Lover’s Lane” (1989), “Let’s Take a Holiday” (1992), “Next to You” (1992) und “Reggae Songs of Love (Plus)” (2008). Zahlreiche Kompilationen wie “The Very Best of Boris Gardiner” (2002) und “I Want to Wake Up With You: The Best of Boris Gardiner” (2004) machten sein umfangreiches Werk einer neuen Generation zugänglich.
Neben seiner Arbeit als Künstler schrieb Gardiner auch zahlreiche Werbejingles für jamaikanische Unternehmen, darunter Banken und Lotterien. Diese kommerzielle Arbeit zeigte seine Vielseitigkeit und sein Gespür für eingängige Melodien. Seine Beiträge zur jamaikanischen Musik wurden 2006 offiziell gewürdigt, als er mit dem Order of Distinction (O.D.) ausgezeichnet wurde, einer der höchsten Ehrungen des Landes. Weitere Auszeichnungen folgten, darunter Canadian Reggae Music Awards, der Rockers Award und 1996 der Jamaica Music Industry Award.
Selbst im hohen Alter von über 75 Jahren zeigt Gardiner keine Anzeichen, sich zur Ruhe zu setzen. Er veröffentlicht weiterhin neue Musik wie “The Beauty of The Night” und arbeitet als Produzent, Bassist und Arrangeur. Seine Musik erreicht heute ein weltweites Publikum über Radio und Online-Streaming-Plattformen, wo neue Generationen seine zeitlosen Melodien entdecken. Boris Gardiner bleibt ein lebendiges Beispiel dafür, wie ein Künstler durch Anpassungsfähigkeit, Talent und Beharrlichkeit über Jahrzehnte hinweg relevant bleiben kann. Seine Verbindung von jamaikanischer Roots-Tradition mit eingängigen Pop-Elementen hat einen bleibenden Eindruck in der Musikgeschichte hinterlassen und inspiriert bis heute Musiker weltweit.
Wir konnten leider keine Konzerte von Boris Gardiner finden.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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