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today28.02.2026
Urge Overkill ist eine Alternative-Rock-Band aus Chicago, die 1986 gegründet wurde und vor allem durch ihre glamouröse Inszenierung und den Hit “Girl, You’ll Be a Woman Soon” aus dem Film Pulp Fiction bekannt wurde. Die Band um Nash Kato und Eddie “King” Roeser prägte mit ihrem Mix aus Rock, Punk und 70er-Jahre-Ästhetik die Alternative-Szene der 90er Jahre. Nach einer Auflösung 1997 und mehreren Reunions ist die Band bis heute aktiv.
| Künstlername | Urge Overkill |
| Mitglieder | Nash Kato, Eddie “King” Roeser, Nate Arling, Adam Arling |
| Genre | Alternative Rock, Rock, Punk |
| Größter Hit | Girl, You’ll Be a Woman Soon |
| Gründungsjahr | 1986 |
| Land | USA |
| Markenzeichen | Glamouröse 70er-Jahre-Ästhetik, Kimonos, Dandytum im Kontrast zur Grunge-Kultur |

Die Geschichte von Urge Overkill beginnt Mitte der 80er Jahre an der Northwestern University in Chicago, wo sich Nathan Kaatrud und Eddie Roeser kennenlernten. Beide teilten eine Leidenschaft für Rockmusik, die über die damals dominierenden Genres hinausging. 1986 gründeten sie unter den Künstlernamen Nash Kato und Eddie “King” Roeser die Band Urge Overkill, deren Name sie einem Song der Funk-Legende Parliament entlehnten. Schon der Name deutete auf ihre Vorliebe für übertriebene, ironische Inszenierungen hin, die später zu ihrem Markenzeichen werden sollte.
Die erste EP “Strange, I…” erschien noch im Gründungsjahr bei Ruthless Records und wurde von niemand Geringerem als Steve Albini produziert, der später mit Nirvana arbeiten sollte. Der Sound dieser frühen Phase war rau, experimentell und vom Noise-Rock geprägt. 1989 folgte das Debütalbum “Jesus Urge Superstar” über Touch & Go Records, wiederum mit Albini am Mischpult. Die Band bewegte sich in dieser Zeit noch im Underground der alternativen Rockszene und experimentierte mit verschiedenen Stilen.
Ab 1990 vollzog Urge Overkill eine bemerkenswerte stilistische Transformation. Mit dem Album “Americruiser”, produziert von Butch Vig, der später durch seine Arbeit mit Nirvana weltberühmt werden sollte, wandte sich die Band einem zugänglicheren Sound zu. Die Mischung aus Arena Rock und Punk war ungewöhnlich für die damalige Zeit und hob sie von vielen Zeitgenossen ab. In dieser Phase wechselte auch die Besetzung am Schlagzeug mehrfach, bis schließlich John Rowan, der sich Blackie Onassis nannte, zur Band stieß.
Mit Onassis am Schlagzeug entstand 1991 “The Supersonic Storybook”, dessen Titel auf einen Vorschlag von Jim Ellison von Material Issue zurückging. Die Band entwickelte zunehmend ihren charakteristischen Stil: kraftvolle Rockriffs gepaart mit Pop-Harmonien und einer bewusst glamourösen Bühnenästhetik. Während die Grunge-Bewegung Seattle dominierte und Bands wie Nirvana mit ihrer Anti-Star-Haltung Furore machten, inszenierten sich Urge Overkill als Dandys in Kimonos mit Cocktailgläsern – eine ironische Gegenbewegung zum vorherrschenden Zeitgeist.
1992 erschien die EP “Stull”, die eine Coverversion von Neil Diamonds “Girl, You’ll Be a Woman Soon” enthielt. Niemand ahnte damals, dass genau dieser Song zwei Jahre später zum Durchbruch der Band führen würde. Im selben Jahr wechselte Urge Overkill zu Geffen Records, einem Major-Label, was ihnen größere Produktionsbudgets und bessere Vermarktungsmöglichkeiten verschaffte.
1993 veröffentlichte die Band mit “Saturation” ihr kommerziell erfolgreichstes Album. Die Singles “Sister Havana” und “Positive Bleeding” kletterten in den USA in die Alternative- und Mainstream-Rock-Charts. “Sister Havana” erreichte Platz 6 der Modern Rock Charts und Platz 10 der Mainstream Rock Charts, während “Positive Bleeding” ebenfalls beachtliche Chartplatzierungen erzielte. Das Album verkaufte sich über 270.000 Mal allein in den USA und wurde sowohl von Kritikern als auch vom Publikum gefeiert. Die Band tourte ausgiebig und etablierte sich als feste Größe in der Alternative-Rock-Szene.
Der wahre Durchbruch kam jedoch 1994, als Quentin Tarantino ihre Version von “Girl, You’ll Be a Woman Soon” für seinen Film “Pulp Fiction” verwendete. Der Soundtrack wurde zu einem der erfolgreichsten Film-Soundtracks aller Zeiten, und Urge Overkills Coverversion erreichte Platz 50 der US Hot 100, Platz 11 der Modern Rock Charts und Platz 37 in Großbritannien. Plötzlich kannten Millionen von Menschen weltweit die Band aus Chicago. Der Song wurde zu ihrem Signature-Track und wird bis heute auf Radiosendern und Streaming-Plattformen gespielt, wo er neue Generationen von Hörern erreicht.
1995 erschien mit “Exit the Dragon” das nächste Studioalbum, das musikalisch elegantere Arrangements und düsterere Themen aufwies. Die Single “The Break” schaffte es noch auf Platz 34 der Modern Rock Charts, doch das Album konnte nicht an den Erfolg von “Saturation” anknüpfen. Hinter den Kulissen brodelte es: Drogenprobleme, interne Konflikte und der Druck, den Erfolg zu wiederholen, belasteten die Band zunehmend. Eddie Roeser verließ schließlich aufgrund dieser Spannungen die Gruppe, und 1997 löste sich Urge Overkill auf.
Die Jahre nach der Auflösung waren für die Bandmitglieder unterschiedlich. Nash Kato und Eddie Roeser arbeiteten an verschiedenen Projekten, blieben aber der Musik treu. Die Fans hofften auf eine Wiedervereinigung, doch zunächst schien das Kapitel Urge Overkill endgültig geschlossen.
2004 kam es überraschend zur Wiederannäherung zwischen Kato und Roeser. Die beiden Gründungsmitglieder beschlossen, Urge Overkill wiederzubeleben, allerdings ohne Blackie Onassis, der nicht zur Reunion stieß. Mit neuen Musikern an Bass und Schlagzeug nahm die Band ihre Aktivitäten wieder auf und spielte Konzerte. Es dauerte jedoch bis 2011, ehe mit “Rock & Roll Submarine” nach 16 Jahren wieder ein Studioalbum erschien. Die Platte wurde von langjährigen Fans positiv aufgenommen, konnte aber nicht mehr an die kommerzielle Bedeutung der 90er Jahre anknüpfen.
Die Band blieb weiterhin aktiv und veröffentlichte im Januar 2022 ihr bislang letztes Studioalbum “Oui”. Urge Overkill hatte sich als Kultband etabliert, deren Einfluss auf die Alternative-Rock-Szene bis heute spürbar ist. Die aktuelle Besetzung besteht aus Nash Kato, Eddie “King” Roeser sowie Nate und Adam Arling an Schlagzeug und Bass.
Ein trauriger Moment in der Bandgeschichte ereignete sich am 13. Juni 2023, als John Rowan alias Blackie Onassis im Alter von 57 Jahren verstarb. Der Schlagzeuger hatte die erfolgreichste Phase der Band maßgeblich mitgeprägt und galt als integraler Bestandteil des klassischen Urge-Overkill-Sounds. Sein Tod markierte das Ende einer Ära und erinnerte daran, wie vergänglich Erfolg und Leben sein können. Für viele Fans, die die Band über Internetradio oder Online Radio entdeckt hatten, war Onassis untrennbar mit dem Sound verbunden, der Urge Overkill in den 90er Jahren definierte.
Heute werden Urge Overkill vor allem als Kultband der 90er Jahre wahrgenommen, deren glamouröse Ästhetik und ironische Haltung einen erfrischenden Kontrast zur oft düsteren Grunge-Szene bildeten. Ihre Musik lebt weiter auf diversen Plattformen und erreicht durch Streaming und Webradio immer wieder neue Hörer, die den zeitlosen Appeal ihrer besten Songs schätzen.
Wir konnten leider keine Konzerte von Urge Overkill finden.
Geschrieben von: RadioMonster.FM
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